Finanzen

Fonds-Sparer um Vermögen gebracht: Banken täuschen Kunden vorsätzlich

Mehr als sieben Millionen Schweden legen ihr Geld in Fonds an – in der Hoffnung, dadurch später ein kleines Vermögen zusammengespart zu haben. Eine Untersuchung des schwedischen Fernsehens hat jedoch nun ergeben: Ein großer Teil des Fondvermögens großer Banken wird durch Abgaben aufgezehrt. Und nicht nur das: Kunden werden offenbar auch über die Entwicklung der Fonds getäuscht.

Einmal mehr ist dem Magazin „Uppdrag Granskning“ des Schwedischen Fernsehens eine Reportage gelungen, die für Aufruhr sorgt. Dafür sorgt allein die Zahl der Betroffenen: sieben Millionen. So viele Schweden nämlich legen ihr Geld in Fonds an, damit ist Schweden eine der führenden Nationen auf diesem Gebiet. Die Bankkunden wiegen sich in Sicherheit. Fonds – das klingt nach Stabilität und Zuverlässigkeit. Doch mitnichten, so das Ergebnis des Fernsehbeitrags.

Hintergrund sind die jährlichen Abgaben an die Fondsverwalter. 1,5 Prozent klingt zwar wenig, doch über die Jahrzehnte verschwindet immer mehr Geld in der Verwaltung. Nach 33 Jahren haben sich satte 39 Prozent des Ersparten in Luft aufgelöst – Dank der Abgaben.

Ein weiteres Problem ist der tatsächliche Erfolg der Fonds, den Forscher seit langem in Frage stellen, darunter auch Harry Flam, Professor der internationalen Wirtschaft an der Stockholmer Universität. Orientierungsgröße ist eigentlich der Vergleichsindex, der die Wertentwicklung eines Fonds misst, aber:

„Alle Untersuchungen zeigen, dass Fonds niemals über dem Vergleichsindex liegen, sondern in dem Maß abfallen wie die Verwaltungskosten steigen.“

”Skandalös”

Die vier großen Banken in Schweden, die für die Geldanlage in Fonds hauptverantwortlich sind, haben sich in der Vergangenheit offenbar systematisch eines Vergleichsindex bedient, der zumindest irreführend für den Kunden ist. Wie das Fernsehmagazin aufdeckte, bezogen die Banken in die Entwicklung der eigenen Fonds die Ausschüttung der Unternehmen mit ein und verglichen anschließend mit Fonds, die die Dividende nicht mit einberechnet hatten. Skandalös, urteilt Finanzmarktminister Mats Odell.

„Wenn man einen Haushalt nimmt, der seine Ersparnisse platziert und sich für verschiedene Pensionsalternativen entscheidet, um seine wirtschaftliche Situation in der Zukunft zu sichern, dann dürfen solche Ungereimtheiten nicht vorkommen. Es ist wie mit dem Hackfleisch-Skandal kürzlich: Die Konsumenten haben ein Recht auf korrekte Information.“

Vorteil Indexfonds

Experten raten den Konsumenten seit Jahr und Tag, die Geldgeschäfte in die eigene Hand zu nehmen, statt sie an Fondsverwalter zu delegieren. Bankkunden sollten überhaupt auf Indexfonds umsteigen, empfiehlt auch Wirtschaftsjournalist Anders Andersson. Denn: Weil Indexfonds computerisiert arbeiten, liegen die Abgaben deutlich unter dem Niveau gewöhnlicher Fonds – ein Grund, weshalb Banken für Indexfonds bisher nur ungern Werbung gemacht haben.

„Als Konsument sollte man der Bank gegenübertreten wie einem Gebrauchtwagenhändler“, meint Anders Andersson. „Man muss sehr kritisch sein, und das sind die meisten schwedischen Bankkunden leider nicht, sondern im Gegenteil sehr passiv. Im Oligopolland Schweden mit seinen vier Grossbanken, die mit uns Kunden ein bisschen umspringen können, wie sie wollen, werden die Kunden leider leicht übers Ohr gehauen.“

Finanzen in die eigenen Hände nehmen

Am besten wäre laut Andersson, der einzelne Kunde gäbe das Fondssparen ganz auf und verteilte sein Geld auf mehrere Aktien in verschiedenen Branchen. Und, noch viel wichtiger: Man sollte die Kursentwicklung selbst verfolgen und keinem Verwalter überlassen.

Liv Heidbüchel

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