Hunderttausende sind verschuldet

Zu den Berufen, die in Schweden gute Zukunftsaussichten haben, gehört der des Gerichtsvollziehers. Rund 400 000 Schweden müssen zurzeit damit rechnen, vom Vogt der Krone – so heißt hier der staatliche Geldeintreiber – unerwünschten Besuch zu bekommen.

Fast fünf Prozent der schwedischen Bürger sind so stark verschuldet, dass sie auf der Liste der staatlichen Inkasso-Behörde stehen. Das Thema beschäftigt nun auch den Reichstag in Stockholm. Einige Politiker meinen nämlich, dass der Staat mit bürokratischem Wust und schwer durchschaubaren Verfügungen dazu beiträgt, Bürger in die Schuldenfalle zu treiben.

Dan Jering war früher selbst Gerichtsvollzieher. Heute betreibt er ein eigenes privates Unternehmen für Schuldensanierung. Sein Konzept erläutert er so:

„Wir drehen das Ganze um. Wir schauen nicht in erster Linie auf die Schulden, sondern darauf, was der Betreffende aufbringen kann, um die Schulden abzutragen. Natürlich müssen Schulden bezahlt werden, aber wenn man das Geld nicht auf einmal aufbringen kann, dann muss man ein Modell zum Abtragen der Schulden aushandeln können.“

Auch die JAK-Bank in Skövde in Västergötland hilft verschuldeten Bürgern. Sie vergibt zinslose Darlehen. Bankdirektor Magnus Falk kritisiert den Umgang der etablierten Bankhäuser mit verschuldeten Kunden:

„Für viele besteht das Problem zum großen Teil darin, dass die Zinsen so hoch sind, dass die Rückzahlung der Schulden unmöglich wird. Die Schulden wachsen im Gegenteil weiter. Bei uns bekommen sie einen Kredit zu niedrigen Gebühren. Damit werden sie in absehbarer Zeit schuldenfrei.“

Die JAK-Bank nimmt den Schuldnern auch die Sorgen mit dem oft schwer überschaubaren Berg von Verpflichtungen ab. Magnus Falk:

„Wir verleihen Geld nicht zu weiterem Konsum, sondern zur Lösung eines Problems. Mit der Kreditsumme begleichen wir die verschiedenen Schulden, und die Betreffenden haben bei uns nur noch einen Kredit zu günstigen Bedingungen.“

Eine wachsende Problemgruppe in der Schar der Schuldner sind Einwanderer. Dan Jering kennt die Risiken, die vor allem Flüchtlingen aus Dritt-Welt-Ländern drohen, wenn sie versuchen, in Schweden Fuß zu fassen:

”Jemand, der ohne sprachliche und kulturelle Kenntnisse in dieses Land gekommen ist, weiß natürlich nicht, was zu tun ist, um Schulden zu vermeiden. Damit ist die Gefahr groß, dass man rasch solche Probleme bekommt.“

Gefahr droht inzwischen auch einer ganz anderen gesellschaftlichen Gruppe, nämlich jugendlichen Handy-Besitzern. Seit besonders geschäftstüchtige Geldverleiher Kredite per SMS anbieten, ist die Schar junger Schuldner sprunghaft angestiegen. Die zum Teil horrenden Zinsen der Verleiher erweisen sich für die unerfahrenen Kunden als böse Falle. Auch das sollte Thema des Parlaments sein.

Klaus Heilbronner 

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".