Straßenverkehrsbehörde:

Anti-Alkoholprogramm gescheitert

Zu Alkohol haben die Schweden ja seit jeher ein spezielles Verhältnis. Der Privatkunde bekommt weingeistige Getränke nur in Monopolläden, und im Straßenverkehr herrscht Null-Toleranz. Zwar liegt hier die Grenze bei 0,2 Promille. Doch das hat seine Ursache nur darin, dass niemand wegen Alkohol am Steuer seinen Führerschein verlieren soll, weil er ein bisschen Joghurt gegessen hat. Aber trotz strenger Gesetze ist bei jedem fünften tödlichen Unfall Alkohol im Spiel. Die Straßenverkehrsbehörde wollte das ändern – und ist offenbar grandios gescheitert.

Was hatte Schwedens Parlament in den Neunziger Jahren für hehre verkehrspolitische Ziele ausgegeben: Die Zahl der Straßenverkehrstoten sollte von 1996 bis 2007 halbiert werden. Und auch die tödlichen Unfälle unter Alkoholeinfluss sollten in nennenswertem Umfang abnehmen. Nun allerdings wird der Straßenverkehrsbehörde für ihre Arbeit gegen Alkohol am Steuer ein miserables Zeugnis ausgestellt. Und das zu allem Überfluss noch aus den eigenen Reihen:

„Die Zahlen, die uns zu tödlichen Unfällen im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer vorliegen, zeigen, dass der Anteil am Gesamtaufkommen während der gesamten zehn Jahre fast gleich geblieben ist“, sagt Lars Bergfalk, Chef der Kontrollabteilung für Sicherheit im Straßenverkehr. „Jeder vierte getötete Fahrzeuglenker war angetrunken. Und die verfügbaren Statistiken über Trunkenheit am Steuer zeigen, dass sich nichts gebessert hat.“

490 Menschen sind nach Berechnungen der Straßenverkehrsbehörde im vergangenen Jahr auf Schwedens Straßen ums Leben gekommen. Das sind gerade 18 weniger als zu Beginn der Kampagne 1996 und sogar 45 mehr als im Jahr 2006. Von einer Halbierung der Zahlen kann also nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Gleiches gilt für tödliche Unfälle unter Alkoholeinfluss: 1996 lag der Anteil am Gesamtaufkommen bei 18 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 20 Prozent. Die Kontrollabteilung für Verkehrssicherheit ließ darüber hinaus kaum ein gutes Haar an den Maßnahmen, die die Straßenverkehrsbehörde seit Beginn der Kampagne ergriffen hat. Maßnahmen und Programme seien zu spät begonnen und teilweise auf falsche Zielgruppen ausgerichtet worden, heißt es. So seien Programme mit Alkoholsperren in Fahrzeugen vor allem auf Berufskraftfahrer ausgerichtet gewesen. Gerade in dieser Gruppe von Fahrzeuglenkern gebe es jedoch verhältnismäßig wenige Alkoholverstöße.

Claes Tingvall, Direktor für Verkehrssicherheit bei der Straßenverkehrsbehörde, sieht allerdings auch allgemeine gesellschaftliche Aspekte als Ursache für das Scheitern der Bemühungen. Mehr Autos auf Schwedens Straßen und höherer Alkoholkonsum insgesamt seien mit dafür verantwortlich, dass es nicht deutlich weniger tödliche Unfälle infolge von Alkoholmissbrauch gegeben habe. Und auch Politik und Gesetzgebung seien in gewissem Umfang schuld, so Tingvall:

„Die Programme mit Alkoholsperren in Autos laufen zum Beispiel falsch, denn wenn man zwar ein Alkoholproblem hat, aber noch nicht von der Polizei erwischt worden ist, kommt man in solche Programme nicht hinein. Das ist nur ein Beispiel, es gibt noch mehr, was man tun oder ändern könnte.“

Immerhin: Seit die Polizei im Jahr 2003 damit begonnen hat, bei Verkehrskontrollen auch verstärkt Alkoholtests vorzunehmen, sind deutlich weniger Autofahrer wegen Trunkenheit am Steuer ums Leben gekommen. Misst man die Resultate jedoch an den hochgesteckten Zielen, so bleibt nur ein Urteil: Setzen, sechs!

Thomas Fenske

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