Sozialversicherungsministerin Cristina Husmark Pehrsson

Zuckerbrot-Politik: Regierung will hunderttausende Frührentner auf den Arbeitsmarkt locken

Frührentner kann man in Schweden schon mit 30 Jahren sein. Das sind zwar nur die Extremfälle. Trotzdem zeigen gerade diese Beispiele, dass der schwedische Arbeitsmarkt bislang zu unflexibel ist. Denn vorzeitig Pensionierte wollen oftmals noch gar nicht dauerhaft auf die Altenbank. Bislang aber waren die Gesetze so geschrieben, dass sich Arbeiten selbst im kleinen Stil für Frührentner nicht lohnt. Nun hat die bürgerliche Regierung umfassende Änderungen bei der Sozialversicherung angekündigt.

Wer als Frühpensionierter mehr als 12,5 Prozent einer Ganztagsstelle arbeitet, der verliert sein Recht auf Fortzahlung im Krankheitsfall. So ist es bislang. Künftig soll ein Frührentner 4.300 Euro jährlich dazu verdienen dürfen, ohne dass es Einschnitte bei der Sozialversicherung gibt. Ein längst überfälliger Vorschlag, meint Sozialversicherungsministerin Cristina Husmark Pehrsson.

550.000 Frührentner

Und die Ministerin spart auch nicht mit Kritik an der sozialdemokratischen Vorgängerregierung.

„Während der zehn Jahre Sozialdemokratie wurden täglich 140 Menschen in die Frührente geschickt. Und das einzig, weil ihnen niemand rechtzeitig Rehabilitierungsmaßnahmen anbieten konnte. Etliche dieser Menschen sind in gewissem Maß arbeitsfähig und an alle die richtet sich unser Vorschlag. Sie sollen die Möglichkeit haben, entsprechend ihrer Fähigkeiten ein bisschen zu arbeiten oder mehr – aber eben ohne den Druck, die Sozialversicherung zu verlieren.“

Im Neun-Millionen-Volk Schweden sind derzeit 550.000 Menschen frühpensioniert. Eine Zahl, die dringend kleiner werden muss, ist Sozialministerin Husmark Pehrsson überzeugt. Das Angebot an die Frührentner steht einmal mehr ganz unter dem Motto, dass sich Arbeit wieder lohnen soll. Es gibt sogar eine Art Freibetrag bis zu umgerechnet 35.000 Euro. Das bedeutet, wer als Frührentner soviel verdient, soll trotzdem 30 Prozent seiner Einkommenssteigerung netto behalten dürfen.

Kosten senken

Husmark Pehrsson findet nicht, dass das Angebot zu großzügig ist. Sie hofft vielmehr, die Kosten für die mehreren hunderttausend Frühpensionierten dauerhaft senken zu können.

„Für diejenigen, die den Schritt zurück ins Arbeitsleben wagen wollen, ist das ein fantastisches Angebot. Gleichzeitig können sich alle, die nicht arbeitsfähig sind, weiterhin sicher fühlen. Dass und warum jemand frühpensioniert ist, werden wir nicht in Frage stellen.“

Der Vorschlag soll am 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten.

Liv Heidbüchel

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