Starker Anstieg von HIV-Infektionen in Schweden

Sind die Kenntnisse über HIV und die Immunschwächekrankheit AIDS gut, ist das Risiko, sich zu infizieren, gering. Sollte man meinen. Dass dem nicht so ist, zeigt Schweden. Obwohl die Bevölkerung um die Ansteckungsrisiken weiß, infizieren sich zunehmend mehr Schweden mit dem gefährlichen Virus.

Die Zahl der Schweden, die sich jährlich mit HIV infizieren, ist höher als je zuvor. Allein im vergangenen Jahr haben sich 500 Menschen neu angesteckt. Das schwedische Seuchenschutzinstitut, das die Zahlen für das Jahr 2007 zusammengestellt hat, ist sehr beunruhigt.  Grund für die Zunahme an Infektionen sei die Sorglosigkeit der Schweden gegenüber dem Virus. Seuchenschutzprofessor Jan Albert fordert deshalb mehr warnende Informationen über HIV: „Der Anstieg lässt sich zum Teil damit erklären, dass sich die Furcht vor HIV gelegt hat und die Aufmerksamkeit in den Medien und das Informationsangebot abgenommen haben. Es sind mittlerweile zehn Jahre vergangen, seit Blocker für den Virus auf den Markt gekommen sind. Diese Medizin wirkt sehr gut, so dass die meisten der Infizierten gar nicht an Aids erkranken und sterben. Aber HIV existiert nach wie vor und ist sehr ernst, so dass man unbedingt vermeiden sollte, sich zu infizieren.“

Vor allem homo- und bisexuelle Männer sind für den Anstieg der HIV-Infektionen verantwortlich. In Schonen beispielsweise ist die Zahl der Männer, die sich beim Sex mit anderen Männern angesteckt haben, im vergangenen Jahr von 18 auf 33 angestiegen. Aber auch die Zahl der Heroinabhängigen unter den Neuinfizierten ist angestiegen. Der Vorsitzende des Verbandes für sexuelle Gleichbehandlung, Sören Juvas, gibt der Vernachlässigung präventiver Maßnahmen Schuld an der gefährlichen Entwicklung: „Man nimmt die Risiken von HIV in Schweden nicht mehr genauso ernst wie noch vor 20 Jahren. Als die Medizin kam, wurde HIV weniger persönlich. Die Verantwortlichen taten so, als sei das Problem gelöst. Dabei hat man übersehen, dass der Effekt von Präventionen erst dann sichtbar wird, wenn Mittel eingespart werden. Und diesen Effekt sehen wir jetzt.“

Clarissa Blomqvist

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