Semlor:

Karneval für den Gaumen

Auch der Schwede feiert Karneval. Das geht vielleicht nicht ganz so jeck mit Tätää und Umzügen ab wie bei den Deutschen. Aber auch hierzulande tut man vor dem Beginn der Fastenzeit noch mal etwas für die gute Stimmung: Man gönnt sich etwas Leckeres.

Der gemeine Schwede ist nicht unbedingt ein Backweltmeister. An das kopfkissenweiche und meist mit Sirup gesüßte Brot, dass er sich tagtäglich einverleibt, denken viele Nicht-Schweden oft nur mit Grausen. Ginge es nur ums Brot, dann könnte man vermuten, das Talent zur Herstellung von Backwaren habe einen großen Bogen um dieses Land gemacht. Aber wer in diesen Tagen zum Beispiel durch die Kungsgata in der Hauptstadt Stockholm geht, kann sie in den Konditoreien und Cafés sehen: Die „semlor“. Verlockend liegen die Hefeteigbällchen, mit Sahne und Marzipan gefüllt und mit Puderzucker auf dem Deckel in den Auslagen. Und alle preisen ihre „semlor“ als die besten der Stadt an. So auch Östen Brolin, der auf der Kungsgata eine Konditorei hat:

„Semlor sind für uns als Konditoren ein wichtiges Produkt. Die heben in diesen ansonsten grauen Januar- und Februartagen die Stimmung. Deshalb sind wir froh, dass es die gibt.“

Seit fast 30 Jahren haben Östen Brolin und seine Frau ihre Konditorei. Und an Tagen wie diesem haben beide richtig zu tun. Ein Blech nach dem anderen wird aus der Backstube in den Laden getragen. Wenn am fetten Dienstag Zeit für die Mittagspause ist, strömen die Kunden nur so hinein. Nur die allerwenigsten gehen ohne „semlor“ wieder hinaus. Und für viele sind es auch nicht die ersten, die sie in diesem Jahr genießen. Nach der Tradition dürften die Kleinode der schwedischen Backkunst erst am Karnevals-Dienstag in den Auslagen auftauchen. Doch da geht es hier in Schweden ähnlich wie mit dem Weihnachtsstollen in deutschen Geschäften. Auch Östen Brolin kann sich diesem Trend nicht entziehen:

Zu trockener Teig ist der Horror

„Als ich jung war, und das ist schon eine ganze Weile her, da machte man „semlor“ nur am fetten Dienstag. Und auch in den Konditoreien gab’s die nur an diesem Tag. Heutzutage fangen einige damit schon direkt nach Weihnachten an. Und bei uns gibt es „semlor“ ungefähr ab Mitte Januar.“

Trotzdem ist der „fettisdag“ immer noch der Tag, an dem die „semlor“ am besten weggehen – sozusagen wie warme Semmeln. Inzwischen gibt es sie auch in mehreren Varianten, sogar in gluten- oder laktosefreier Form für Allergiker. Dennoch gibt es für Östen Brolin keinen Zweifel daran, welche „semlor“ am beliebtesten sind:

„Ganz klar die klassischen. Die sind ohne Konkurrenz. Die anderen Sorten machen nur einen ganz kleinen Teil aus.“

Klassisch muss es für die Schweden also sein, mit Hefeteig, Marzipan, Sahne, Puderzucker. Die größte Kunst ist dabei, das Hefebällchen richtig hinzubekommen. Denn wird das zu trocken, dann helfen weder Sahne noch Marzipan. Zu trockene „semlor“ sind für schwedische Gaumen der Horror. Und für den richtigen Hefeteig hat Östen Brolin ein ganz einfaches Rezept: Gute und einfache Zutaten.

„Gute Butter, die ist am besten, dazu Zucker, aber keine künstlichen Zusätze oder irgendwelcher Hokuspokus. Für Essen und Backwaren gilt das Gleiche: Die sollen nach den Zutaten schmecken, aus denen sie gemacht sind. Dann schmeckt’s richtig!“

Thomas Fenske

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