Leijonborg schlägt schwedische Imam-Ausbildung vor

Saudi-Arabien ist größter Geldgeber für den Bau von Moscheen in Schweden, genauso wie für die Ausbildung von Imamen. Daran wird sich wohl auch künftig nicht allzu viel ändern. Schon länger diskutieren Schwedens Politiker, wie sich mehr Einfluss auf die Arbeit der muslimischen Geistlichen nehmen ließe, nämlich durch eine Imam-Ausbildung hierzulande. Am Dienstag nun kam ein erneuter Vorstoß in diese Richtung von Bildungs- und Forschungsminister Lars Leijonborg.

Die in Schweden tätigen Imame sind zu radikal. Zu diesem Schluss ist Lars Leijonborg gekommen, und nun soll Schweden aktiv in die Ausbildung der geistlichen muslimischen Führer eingreifen. Wenn der schwedische Staat die Ausbildung zum Priester finanzieren kann, so kann er auch Imame ausbilden, meint Leijonborg. Und findet die Ausbildung erstmal in schwedischer Regie statt, sei auch gleich einer Radikalisierung entgegengewirkt.

„Wenn wir nicht einschreiten, bewegen wir uns auf einen radikalen Islam zu, weil wir uns von internationalen Organisationen abhängig machen, die eben einen radikaleren Islam vertreten.“

Schwedische Ausbildung erwünscht

Laut Bildungsminister gibt es eine große Nachfrage von Seiten der in Schweden lebenden Muslime, dass ihre geistlichen Führer eine schwedische Ausbildung bekommen. Bislang sind in den Moscheen und muslimischen Gemeinden oftmals entsandte Imame tätig – mit keinerlei Schwedisch-Kenntnissen und oftmals mit radikalen Ansichten im Gepäck.

Mohammad Fazl Hashemi lehrt Ideengeschichte an der Universität Umeå. Er teilt die Kritik an den importieren Imamen. Als russische Migranten 1948 die erste muslimische Vereinigung in Schweden gründeten, gab es keine geistlichen Führer im Land. Einen Imam von außen zu holen, war also normal, und diese Tradition hat sich gehalten. Allerdings sollte damit dringend gebrochen werden, meint Hashemi. Denn die Unkenntnis dieser Imame von der schwedischen Gesellschaft, Kultur und Sprache hilft den schwedischen Muslimen nicht. Im Gegenteil.

„Es hat dazu geführt, dass viele Muslime eine defensive Haltung eingenommen und sich in eine Parallelgesellschaft zurückgezogen haben. Die Idee mit einer Imamausbildung in Schweden ist ja schon mehrere Jahre alt, aber aus Geldmangel hat sich nichts getan. Ich halte die Idee für richtig, denn Muslime sind ein Teil der schwedischen Gesellschaft und sie haben ein Recht darauf, dass sich ihre geistliche Führung hier in Schweden ausbilden lassen kann.“

Säkulare Ausbildung angestrebt

Noch sind die Vorschläge für eine schwedische Imam-Ausbildung nicht ausgereift. Unklar ist etwa, auf welchem Niveau eine entsprechende Ausbildung angeboten werden sollte, auf Universitätsniveau beispielsweise. Wenn sich Bildungsminister Leijonborg mit seinem Vorschlag durchsetzt, soll die Ausbildung jedenfalls weitaus säkularer ausfallen als es von entsendeten Imamen aus Saudi-Arabien erwartet werden kann. Fragen der Gleichberechtigung etwa müssen unbedingt eine Rolle spielen, betont Leijonborg.

„Wir müssen eine Form dafür finden, dass sich muslimische Führer mit den Werten auseinandersetzen, die hier in Schweden gelten. Und wenn wir von Gesellschaftskunde sprechen, so ist Gleichberechtigung selbstverständlich ein Teil davon.“

Liv Heidbüchel

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