Immer mehr Fälle von schwerem Mobbing an Schulen

Seit vor knapp zwei Jahren das Gesetz zum Schutz von Kindern und Schülern eingeführt worden ist, sind immer mehr Anzeigen wegen groben Mobbings beim Kinder- und Schülerombudsmann eingegangen. Das freut die Behörde einerseits, weil sie feststellt, dass Kinder und Eltern sich ihrer Rechte offenbar immer stärker bewusst sind. Aber der Ombudsmann kritisiert auch die Schulen, die in Sachen Vorbeugung offenbar zu wenig tun.

Am Amtsgericht Malmö beginnt heute der Prozess gegen fünf Jugendliche, die einen 14-jährigen Jungen schwer gemobbt haben sollen. Den Jugendlichen wird vorgeworfen, ihren Schulkameraden mit Klebeband erst an einen Pfosten und zwei Wochen später an einen Baum gefesselt zu haben. Das Klebeband soll so fest gesessen haben, dass der Gepeinigte kaum atmen konnte. Erst nach fünf Minuten habe er sich befreien können. Ihre zweite Tat hatten die fünf angeklagten Jugendlichen sogar gefilmt und im Internet veröffentlicht.

Mobbing an Schulen kann gefährliche Ausmaße annehmen und bei den Betroffenen zu schweren Schäden führen.  Deshalb wurde vor knapp zwei Jahren ein neues Gesetz zum Schutz von Kindern und Schülern eingeführt.  Seit der Einführung sind 800 Mobbingfälle beim Kinder- und Schülerombudsmann gemeldet worden, erheblich mehr als vor der Gesetzesänderung. Ombudsmann Lars Arrhenius sieht einen deutlichen Zusammenhang: „Ich glaube, dass die neue Gesetzgebung dazu geführt hat, dass Schüler und Eltern sich ihrer Rechte bewusst geworden sind“, sagt Arrhenius.

16 der bei ihm gemeldeten Fälle waren so gravierend, dass Lars Arrhenius einen Schadensersatzprozess angestrengt hat. Auf diese Weise wurden dem 14-jährigen Schüler aus Malmö im Dezember umgerechnet rund 9 000 Euro zugesprochen. Das ist die höchste Summe, die seit der Einführung des Kinder- und Schülerschutzgesetzes ausgezahlt worden ist.

Geldstrafen auch für die Schulen
Die Aufmerksamkeit der Behörde richtet sich aber nicht nur auf die Täter und ihre Opfer, sonder auch auf die Schulen, die ihre Schüler offenbar nicht ausreichend vor Mobbing schützen. Laut Lars Arrhenius sind viele Schulen schlecht bei vorbeugenden Maßnahmen. Deshalb fordert er, dass auch Schulen leichter zu einer Geldstrafe verurteilt werden können, wenn sie nichts gegen Mobbing unternehmen: „Wenn allein Mängel in der Vorbeugung vorliegen, kann bisher noch kein Schadensersatz verlangt werden. Da muss die Gesetzgebung strenger werden. Allein dieser Umstand müsste ausreichen, um Schulen mit einer Geldstrafe oder einem Ordnungsgeldbescheid belegen zu können.“

Würde es diese Möglichkeit bereits geben, so wäre die Malmöer Schule vermutlich einer der ersten Anwärter auf eine solche Geldstrafe.

Clarissa Blomqvist 

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