Medizin

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs überbewertet

Seit Oktober 2006 können sich Frauen in Deutschland gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen, und auch in Schweden genoss die Impfung bislang einen guten Ruf. Nun jedoch stellt ein Bericht im Auftrag der Regierung den Erfolg der Impfung in Frage. Demnach sei unklar, ob und wenn wie lange die Impfung überhaupt wirksam ist.

Sollen schon 11-, 12-jährige Mädchen den Impfstoff gespritzt bekommen oder nicht? Das ist nicht leicht zu entscheiden, ist doch die grundsätzliche Wirkungskraft des Präparats nicht geklärt. Schon in wenigen Wochen will das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen einen Beschluss fassen. Auch andere europäische Länder erwägen die Aufnahme ins Impfprogramm von Kindern. Doch obwohl Forscher bereits jetzt die Wirksamkeit des Impfstoffes in Frage stellen, so will sich Anders Tegnell vom Amt für Gesundheits- und Sozialwesen nicht festlegen.

„Ich finde nicht, dass man nun grundsätzlich nein zu einer allgemeinen Impfung von Mädchen sagen sollte. Wir untersuchen das vorbehaltlos und kommen hoffentlich in den nächsten Wochen zu einer umfassenden Analyse.”

Um Gebärmutterhalskrebs rechtzeitig erkennen zu können, empfiehlt das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen heute regelmäßige Zellabstriche: Bei Frauen bis 50 alle drei Jahre, danach alle fünf Jahre. Alle Frauen in Schweden bekommen vom zuständigen Gesundheitszentrum eine entsprechende Einladung. Natürlich gibt auch diese Vorbeugemaßnahme keinen hundertprozentigen Schutz.

Aggressive Werbung

Doch seit geraumer Zeit macht die Pharmaindustrie rigoros Werbung für den Impfstoff, der gegen die für Gebärmutterhalskrebs verantwortlichen Viren helfen soll. Und damit könnte die Gefahr wachsen, dass die Frauen nicht mehr zu den regelmäßigen Kontrollen gehen. Das befürchtet jedenfalls Susanne Allander, sie arbeitet als Forscherin bei der Behörde für die wissenschaftliche Bewertung medizinischer Methoden.

„Die heutigen Impfstoffe wirken gegen gewisse Viren vorbeugend, aber längst nicht gegen alle, die für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Darüber sollten sich alle, die sich für eine Schutzimpfung interessieren, im Klaren sein.”

In Deutschland ist die Impfung gegen die so genannten humanen Papillomviren für 12- bis 17-jährige Mädchen empfohlen - oder für ältere Frauen, wenn sie noch keinen Geschlechtsverkehr hatten. Dieser Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und vor Genitalwarzen gilt etwa von Seiten des Deutschen Krebsforschungszentrums als zuverlässig.

Aus 500 Diagnosen könnten bald mehr werden

Die schwedische Pharmaindustrie musste wegen ihrer einseitigen Werbung für das Präparat Kritik vom Staatlichen Amt für Arzneimittelwesen einstecken. So sei die Botschaft der Werbung unethisch gewesen und einzig auf Verkauf ausgerichtet. Forscherin Susanne Allander teilt die Kritik:

„Es ist unglücklich, wenn man den Frauen einen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs vorspiegelt und dadurch nicht ausreichend darauf hinweist, wie wichtig regelmäßige Zellabstriche sind.”

Seit Mitte der 1960er Jahre werden die Schwedinnen zur regelmäßigen Kontrolle gebeten. Seitdem ist die Zahl der Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs um die Hälfte zurückgegangen. Ungefähr 500 Frauen erhalten jährlich die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Durch ein zu starkes Vertrauen in Impfstoffe, deren Wirksamkeit nicht geklärt ist, könnte diese Zahl künftig wieder steigen, befürchten die Forscher.

Liv Heidbüchel

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