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Der 6. Februar ist der Nationalfeiertag der Sami
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Stefan Mikaelsson, Vertreter der Walssami
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Elsa Laula (Fotoarkiv: Tromsø Museum - Universitätsmuseum)
Nationalfeiertag

Sami kämpfen weiter für ihre Rechte

Der 6. Februar ist für die samische Urbevölkerung Schwedens ein besonderer Tag: Die Flagge wird gehisst, die Nationalhymne gesungen und Torte gegessen. Der samische Nationalfeiertag feiert in diesem Jahr selbst ein kleines Jubiläum: das 15. nämlich. Doch wie ist der Nationaltag eigentlich entstanden und welche Bedeutung hat er tatsächlich? Für die etwa 20.000 Sami in Schweden bedeutet der Nationalfeiertag vor allem, weiter für ihre Rechte zu kämpfen.

„Sámi Soga Lávlla”: das Lied des samischen Volkes ehrt das Land im Norden unter den Sternen des Grossen Wagens, mit den steilen Gebirgswänden und Gipfeln, den langgestreckten Seen, dem Mond als Wegweiser, dem Polarlicht als Himmelstheater. Das Lied des samischen Volkes ist aber auch ein Aufruf gegen Unterdrückung. Und der hat seinen Ursprung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, 1906 als der Same Isak Saba aus Norwegen „Sámi Soga Lávlla” schrieb.

Tag des 1. Treffens wurde zum Nationalfeiertag

In dieser Zeit begannen die Ureinwohner Skandinaviens sich zu organsieren, wie Stefan Mikaelsson vom Vorstand des Parlaments Sametinget erklärt:

„In dieser Zeit gab es Bestrebungen, die Rentierzucht zu verbieten, vor allem in Jämtland und Härjedalen. Die Sami kämpften dagegen an und organisierten sich, um ihre Interessen zu wahren und selbst für ihre eigenen Belange zu sprechen. Das geschah auf dem ersten Treffen der Sami aller vier Länder am 6. Februar 1917 in Trondheim in Norwegen. Als Erinnerung und Gedenken an dieses wichtige Treffen wird der samische Nationalfeiertag am 6. Februar begangen.”

Es war eine Frau, die zu diesem ersten Treffen aufgerufen hatte, Elsa Laula aus Tärnaby, heute ein bekannter Skiort in Västerbotten. Elsas Familie verlor ihr Land mit dem Tod des Vaters. Elsa Laula wurde zur Vorkämpferin für die samische Sache:

„Sie fuhr nach Stockholm und berichtete dem König über die Probleme in ihrer Heimat. Es war nichts Besonderes, dass eine Frau sich so engagierte. Sie ist noch heute ein gutes Vorbild, nicht nur für die samischen Frauen sondern auch Männer, um uns alle au ermuntern, das gute Werk fortzusetzen, mit dem Elsa begann.”

„Sameland den Sami”

„Du starkes Geschlecht der Söhne der Sonne, dich kann niemand unterwerfen. Denk stets an die Mahnung der Vorfahren: das Sameland den Samen!” - heißt es weiter in der Hymne. Kernpunkt des samisches Kampfes waren und sind die Auseinandersetzungen um Land. Jahrhunderte, Jahrtausende lang hatten die Sami den Norden bevölkert, ihre Rentiere weiden lassen, aus den Seen und Flüssen gefischt sowie Vögel und Elche gejagt. Bis die Krone Lappland für ihre Zwecke entdeckte.

Es ging um den Zugang zum eisfreien Hafen am Nordmeer, es ging um die Ausbeutung der Bodenschätze. Lappland wurde gezielt besiedelt, kolonialisiert. Mit den Kolonialherren kamen die Lappfogden: von der Krone eingesetzte Aufseher, die von nun an bestimmten. Und es kamen Gesetze, die in der Hauptstadt beschlossen wurden.

Streitfrage Landnutzung

An der Universität in Luleå forscht die Juristin Christina Allard zum Samerecht. Ein relativ junges Forschungsgebiet, das sich mit Fragen der Landnutzung für Rentierzucht und Fischfang beschäftigt. Bei allen Auseinandersetzungen um die Landnutzung berufen sich sowohl Sami als auch die Nachfahren der Siedler auf den komplizierten Begriff der „Ersitzung seit unvordenklicher Zeit”.

Also, wer nachweisen kann, dass er Land über eine lange, lange Zeit genutzt hat, hat sich einen Anspruch „ersessen”. Christina Allard: „Die Crux mit dieser ‚Ersitzung’ ist, dass man nicht beweisen muss, wer zuerst da war. Sondern man rechnet zwei Generation zurück, 90 Jahre etwa. Das reicht für das Recht der Ersitzung. Das betrifft also die Zeit zu Ende des 19. Jahrhunderts, und da gab es bereits harte Auseinandersetzungen zwischen den Bauern und Sami. Und weil die Sami keine richtige Schriftsprache hatten, können sie schwer beweisen, dass sie das Land benutzt haben.”

Uno-Komiteen kritisieren Schweden

Christina Allard hat in ihrer Doktorarbeit verglichen, wie Kanada und Neuseeland diese Probleme in ihrer Rechtssprechung gelöst haben. Die Gesetze dort räumen der Urbevölkerung der Indianer und Inuit mehr Rechte ein. Christina Allard will weiter forschen auf dem Gebiet des Samerechtes. Weil sie sich für Menschenrechte engagieren will. Weil sie denkt, das moderne, aufgeschlossene Schweden sollte auch aufgeschlossen gegenüber der eigenen Urbevölkerung sein:

„Wir wollen ja gerne glauben, dass wir international eine gute Figur machen. Aber wir haben zu Hause viele Probleme. Schweden ist von zwei UN-Komiteen kritisiert worden, so auch vom Komitee gegen Rassendiskriminierung, weil eben diese Landfragen nicht geregelt sind. Man beobachtet Schweden also genau.”

Wenn heute die Flagge gehisst wird, die Nationalhymne gesungen und die Torte gegessen wird, vielleicht denkt man an die Mahnung der Vorfahren. Vielleicht freut man sich aber einfach über die Gebirgsgipfel, die See und das Polarlicht.

Katja Güth

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