Tretschlitten mit Tradition: der Spark

In den nördlichen Landesteilen Schwedens gehört zum Winter auch ein etwas altmodisches Fortbewegungsmittel: der Spark. Dieser Tretschlitten aus Holz mit langen Eisenkufen ist vor allen bei älteren Menschen beliebt. Zu ersten Mal erwähnt wurde der Schlitten vor fast 140 Jahren in der nordschwedischen Stadt Piteå. Deshalb wurde dort sogar ein kleines Sparkmuseum eingerichtet.

Als der Spark zum ersten Mal auftauchte in Piteå, da wurde in der robusten Holzhütte, die heute das Museum ist, Eis gelagert. Zum Kühlen von Lebensmitteln. Heute ist die alte Eis-Scheune voller Schlitten. 50 Sparks stehen auf den blanken Holzbohlen oder hängen an den Wänden. Und an der Wand hängt auch die erste Notiz über dieses Fortbewegungsmittel, die am 14. März 1872 in der Zeitung „Norrbottens Post” für Furore sorgte.

”Diese, für unseren Ort ungewöhnlichen Fahrzeuge, werden Tretschlitten genannt. Eine Art Schlitten, der dadurch angetrieben wird, dass eine Person, die dahinter auf Kufen steht, ihn ab und zu mit einem Fuss antritt.”

Mia Lidman arbeitet im benachbarten Restaurant. Dessen Betreiber, ein Immobilienunternehmen, hat das Sparkmuseum initiiert. Das Museum wird bei Bedarf geöffnet. Wer eine Führung haben will, sagt im Restaurant Bescheid.

Traditionell, Schlittenroller oder Ganzjahresmodell

Ein Spark ähnelt nur in der Form dem deutschen Rodelschlitten. Die schmalen Kufen sind zwei Meter lang, mit einer Verstärkung für einen Fuß. Der gedrechselte Handgriff ist fast sechzig Zentimeter, und der Sitz hat die Größe eines durchschnittlichen Hockers. Die meisten im Museum ausgestellten Tretschlitten sind von dieser traditionellen Bauart. Es gibt aber auch Sparks mit einer breiten Kufe, ein Schlittenroller sozusagen, für Menschen mit etwas wackeliger Balance ziemlich ungeeignet. Und dann zeigt Mia Lidman noch ein Ganzjahresmodell: ”Hier ist ein Schlitten mit Rädern. Mit dem kann im Sommer auf Asphalt fahren und im Winter ohne Räder im Schnee.”

Für den Sommerbetrieb hat sich der Spark freilich nicht durchgesetzt. Das Fahrrad übernahm diese Rolle. Im Winter aber ist der Tretschlitten unschlagbares Fortbewegungsmittel, meint der 84-jährige Harry Eriksson aus dem Dorf Råneå. Er hat seinen Schlitten gerade vor dem Konsum geparkt: „Ich fahre hin und wieder zum Eisangeln. Da ist der Spark ideal, um sich auf dem Eis fortzubewegen.”

Praktischer Auto-Ersatz

Und dank Gepäckablage, dem Sitz also, auch zum Transport außerordentlich gut geeignet. Dafür nutzt ihn auch Inghild Svensson. Sie hat ihren Spark neben Harry Erikssons Tretschlitten abgestellt. Auf dem Sitz hat sie einen Korb montiert. Darin liegen die Einkäufe des Tages: „Ich hab kein Auto, deshalb fahre ich immer mit dem Spark zum Einkaufen.”

Harrys Tretschlitten ist ein einfaches Modell, verfügt gleichwohl über einen Blinker. Einen nur, der nach links blinkt. Der Rentner fährt nämlich sicherheitshalber immer schön rechts. Dann setzt er den Blinker nur, wenn er nach links abbiegen muss.

Egal, ob zum Eisangeln oder Einkaufen, der Spark ist dabei. Allerdings wird ihm das entspannte Fahren zuweilen verleidet: „Wenn Schotter auf den Wegen gestreut wird, damit die Fußgänger sicherer gehen können, ist das nicht gut für den Spark. Das ruckelt dann immer so.”

Der Tretschlitten ist ein Relikt aus der Zeit, da es noch galt, sich mit Muskelkraft fortzubewegen. Da kam die Post auf dem Land auch noch vom schlittentretenden Briefträger. Seinen Siegszug trat der Spark in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts an, von den Städten entlang der nordschwedischen Ostseeküste bis gar in die Hauptstadt. Selbst in Stockholm wurden in dieser Zeit Tretschlitten-Klubs gegründet.

Eintrag im Guiness-Buch

Während ein Spark in Stockholm heute undenkbar wäre, ist er in den Dörfern Nordschwedens hingegen nach wie vor weit verbreitet. Und die Geburtsstadt des Tretschlittens, Piteå hat es dank Spark in das Guiness-Buch der Rekorde geschafft, mit dem längsten Tretschlittenzug der Welt, das waren immerhin 1.334 Sparks.

Katja Güth

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".