Astrid Lindgren wird den neuen 20-Kronen-Schein zieren (Foto: Jan Collsiöö/Scanpix)
Astrid Lindgren (Foto: Archiv)
Kritik am Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis:

Alma-Verwaltung zu teurer

Mit 540.000 Euro ist der Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis die am zweithöchsten dotierte Literaturauszeichnung der Welt. Nur die Preissumme des Literaturnobelpreises liegt noch höher. Einen Tag nach der Bekanntgabe der diesjährigen Trägerin des Literaturpreises im Gedenken an Astrid Lindgren nun wurde bekannt, dass die Verwaltungskosten für den Preis gleich noch mal soviel Geld verschlingen: Satte 500.000 Euro - aus Steuermitteln.

Eine feierliche Zeremonie im Beisein von Königs, ausgesuchte Speisen, insgesamt ein edler Anstrich, der zeigt: Der Kinder- und Jugendliteraturpreis im Gedenken an Astrid Lindgren ist nicht irgendein Preis. Kurz nach dem Tod Lindgrens 2002 rief die sozialdemokratische Regierung den Gedächtnispreis ins Leben. Fünfmal sind folglich seitdem herausragende Kinder- und Jugendbuchautoren mit dem Preis und der nicht unattraktiven Preissumme von 540.000 Euro ausgezeichnet worden.

Nun mehren sich die fragenden Stimmen, ob der Staat soviel in einen Literaturpreis investieren sollte – während doch für die kulturellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen an allen Ecken und Enden gespart wird. Einer der Kritiker ist Carl Otto Wercelid, Feuilletonchef der Tageszeitung „Svenska Dagbladet“.

„Ich bin grundsätzlich für alle möglichen Preise, aber jetzt geht es um Steuergelder und zwar nicht gerade wenig. Die Situation derzeit ist, dass Schulbüchereien und andere kein Geld haben, um Bücher einzukaufen. Gleichzeitig verteilt der Staat eine gute Million Euro an bereits erfolgreiche Autoren im Ausland.“

”Wir reisen mehr”

Rund 500.000 Euro Preisgeld plus dieselbe Summe noch einmal für die Verwaltung rund um den Preis. Menschen müssen die Autoren entdecken und lesen, diese Arbeit macht man nicht in ein paar Wochen, rechtfertigt Generalsekretärin Anna Cokorilo den finanziellen Aufwand. Der ist allein in den ersten fünf Jahren des Preises von rund 200.000 Euro auf eben besagte halbe Million geklettert.

„Es kostet, den Preis zu verwalten. Dass diese Kosten immens gestiegen sind, kann ich nicht behaupten. Was stimmt, ist allerdings, dass unser heutiges Wissen über Autoren auch mit sich führt, dass wir mehr reisen. Und dann ist da noch die Arbeit der Jury mit Nominierungen, Übersetzungen, aber auch das gestiegene Interesse der Umwelt am Preis.“

Nobelpreis-Komitee arbeitet billiger

Carl Otto Wercelid von „Svenska Dagbladet“ macht dagegen eine andere Rechnung auf: „Ich habe die Geschichte des Nobelpreises recht genau verfolgt. Sicher, der Preis ist eine ganz andere Konstruktion, aber ich habe trotzdem den Eindruck gewonnen, dass der Ständige Sekretär Horace Engdahl sicher nicht 540.000 Euro für administrative Arbeiten ausgibt.“

Laut Schwedischem Fernsehen will die Schwedische Akademie aber keine genauen Zahlen nennen. Nur soviel: So hoch wie die Preissumme seien die Kosten sicher nicht.

Doch längst nicht alle nehmen Anstoß daran, dass der Astrid-Lindren-Gedächtnispreis hohe Verwaltungskosten nach sich zieht. „So wie die Jury und die Kanzlei derzeit arbeiten, halte ich die Ausgaben für gerechtfertigt“, meint etwa Jan Hansson vom Kinderbuchinstitut. Wie sich die Kosten eventuell senken ließen oder ob sogar Gelder umverteilt werden könnten, etwa zugunsten des Gemeinwohls - das steht derzeit nicht zur Debatte.

Liv Heidbüchel

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