Mehrere Schüsse wurden auf die Wohnung des Staatsanwaltes abgegeben

Anschlag auf Staatsanwalt

Schwedens organisiertes Verbrechen hat wieder zugeschlagen. In Malmö wurde von bislang Unbekannten in der Nacht auf Freitag das Haus eines Staatsanwalts beschossen. Verletzte gab es nicht. Der Anwalt befasst sich hauptsächlich mit Verbrechen von Motorradbanden und sieht selbst einen Zusammenhang zwischen seiner Arbeit und dem Attentat. Besonders beklemmend: Erst im November hatten Mitglieder einer Motorradbande einen ähnlichen Überfall auf eine Oberstaatsanwältin verübt. Nun besteht Sorge vor mafiaähnlichen Verhältnissen.

Mitten in der Nacht wurden mehrere Schüsse auf die Wohnung von Staatsanwalt Mats Mattsson in Malmö abgegeben. Der Staatsanwalt war zum Zeitpunkt der Tat nicht zu Hause. Ein Bekannter, der sich in der Wohnung aufhielt, blieb unverletzt. Die Polizei fahndet nun nach dem Täter, konnte aber bisher niemanden festnehmen.

Der Malmöer Staatsanwalt ist führender Experte auf dem Gebiet der Bandenkriminalität. Erst im Januar war ihm ein Schlag gegen Mitglieder der Motorradgang Bandidos in Skåne und Göteborg gelungen. Lasse Wierup ist Kriminalreporter der Zeitung Dagens Nyheter und Verfasser des Buches „Die schwedische Mafia“. Seiner Ansicht nach sprechen die Umstände der Tat gegen einen gezielten Angriff auf das Leben des Staatsanwaltes: „Das ist eine symbolische Handlung. An erster Stelle macht man so etwas, um ein Signal zu setzen. Es geht nicht unbedingt darum, der Person einen physischen Schaden zuzufügen.“

Warnungstaten wie diese könnten einen erheblichen Schaden anrichten, meint Wierup. Auch wenn nicht die betroffene Person selbst am weiteren Handeln gehindert werde, so ließen sich doch möglicherweise andere davon abhalten, aktiv gegen Bandenkriminalität vorzugehen.

Serie von Anschlägen gegen die Verfolger der Bandenkriminalität
Hier in Schweden sieht man die Schüsse in Malmö als Teil einer ernsten und beunruhigenden Entwicklung. Im November vergangenen Jahres war die Oberstaatsanwältin Barbro Jönsson  Ziel eines Anschlags geworden, auch sie führend in der Verfolgung krimineller Banden. Vor ihrem Haus im westschwedischen Trollhättan explodierte eine Bombe. Mit immer neuer Gewalt und Bedrohung wolle die organisierte Kriminalität ihren Einfluss auf die Gesellschaft verstärken, meint man in der Oberstaatsanwaltschaft.

Dass beide Taten im südlichen Teil Schwedens stattgefunden haben, spreche nicht dafür, dass es sich um lokale Banden handelt, meint der Kriminalexperte Lasse Wierup: „Man muss berücksichtigen, dass die Gangs, die in Schweden etabliert sind, Teil größerer Ketten sind. Die dominierenden Gangs wie Bandidos und Hells Angels, die ihren Ursprung in den USA haben, sind globale Organisationen und haben etwa 10 oder 12 Untergruppierungen in Schweden. Und die funktionieren überall gleich. Denn schriftliche Regeln bestimmen ihre Organisation, legen fest, was gemacht werden darf und was nicht. Man darf nicht denken, dass es lokale oder regionale Faktoren sind, die solche Taten auslösen. Vielmehr muss man diese Gangs als nationale und internationale Netzwerke sehen.“

Die Justizministerin Beatrice Ask befürchtet nicht, dass Angriffe wie die in Trollhättan und nun in Malmö die Polizisten und Juristen in ihrer Arbeit einschüchterten. Vielmehr wirkten sie bestärkend, gemeinsam gegen diese Art von Verbrechen vorzugehen.

Clarissa Blomqvist

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