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Eins der Opfer kontinuierlicher Überfischung: der Dorsch
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Spitzenkoch geht mit gutem Beispiel voran

Mit Boykott gegen Überfischung

Ständige Alarmmeldungen vom Meeresgrund über vom Aussterben bedrohte Dorsche, schrumpfende Heringe und schwindende Aale haben Forderungen nach einer schärferen Regulierung des Fischfangs in Schweden starken Rückhalt verschafft. Als der Stockholmer Gastronom Melker Andersson vor einigen Wochen erklärte, den in der Ostsee vom Aussterben bedrohten Dorsch von der Speisekarte zu streichen, war das die Initialzündung für einen landesweiten Verbraucherboykott: Behörden, Kitas, Schulen - zahlreiche Einrichtungen im ganzen Land sind dem Beispiel gefolgt. Doch Schwedens Fischer fühlen sich zu Unrecht angeprangert.

Das noble Restaurant „F12” am Reichstag ist bekannt für seine exquisiten Fischgerichte. Starkoch und F12-Eigentümer Melker Andersson hat just für seine Kreationen rund um den Dorsch so manchen Preis gewonnen. Doch damit soll nun Schluss sein.

Alternativen servieren

In seinen sieben Stockholmer Restaurants hat Andersson den wichtigsten Speisefisch der Ostsee aus dem Menü gestrichen. „Ich habe viel über Umweltprobleme gelesen und auch meine Gäste bewegt das. Als Wirt mit sieben Restaurants sehe ich mich in der Verantwortung. Denn was wir den Leuten im Restaurant vorsetzen, das kaufen sie später auch im Supermarkt. Selbst wenn wir unbedenklichen Dorsch aus der Barentssee servieren, dann kaufen die Leute am Ende doch den gefährdeten Ostseedorsch.”

Dorsch ist ein schwedischer Klassiker. Es gibt ihn mit Krabben und Pfeffer, mit grobkörniger Senfsause, mit Eiern. Die Köche lieben ihn. Schweren Herzens muss sich Andersson nun nach Alternativen umsehen, für den Dorsch und auch für andere gefährdete Arten. „Seezunge, Rotzunge, Seeteufel, Steinbutt - viele Arten sind durch die Überfischung bedroht. Wenn wir jetzt nicht umsteuern, werden sich die Bestände nicht mehr erholen. Meine Gäste verstehen das: niemand ist aufgestanden, weil der Dorsch nicht mehr auf der Karte steht. Aber es gab auch wütende Kritik, von den Fischern zum Beispiel. Aber solchen Druck muss man aushalten.”

Kantinen und Kitas reagieren

Mehrere seiner Kollegen, sowie Kantinen von Kitas, Schulen und Behörden im ganzen Land taten es ihm gleich. Während Umweltschützer den Boykott als Sieg feiern, schimpfen Fischer auf die „Luxuswirte” und sehen sich als Opfer einer populistischen Kampagne. Dabei ist der Streit um die Speisekarte nur Nebenschauplatz einer noch größeren Debatte.

Im Zentrum der Kritik steht nicht nur die Fischindustrie, sondern auch die EU. Über Quoten, Schonzeiten und Fangmethoden entscheiden nämlich die Regierungen der EU-Länder gemeinsam.

In ihrem Reportagebuch „Tyst hav”, Stilles Meer, ist die Autorin Isabella Lövin den Absurditäten der europäischen Fischereipolitik auf den Grund gegangen. Das anprangernde Werk wurde in Schweden rasch zum Bestseller.

„In vielen europäischen Ländern gibt es eine starke Fischereilobby. Hier in Schweden haben wir dagegen eine starke Bewegung, die den Dorsch retten will, unseren gewöhnlichsten Speisefisch. Es gibt ein starkes Umweltbewusstsein, und das ist bei vielen unserer Nachbarn leider nicht so ausgeprägt. Die Regeln sehen aber vor, dass wir uns heute mit 27 Ländern verständigen müssen, wenn es etwa um die Fangmengen im Kattegatt geht. Statt dass wir uns einfach mit Dänemark zusammensetzen, was absolut logisch wäre.”

Bei ihren Entscheidungen werden die Fischereiminister von Wissenschaftlern des Internationalen Meeresforschungsrats (ICES) in Kopenhagen beraten. Dabei hat es Tradition, dass Europas Politiker die Experten-Ratschläge jedes Jahr aufs Neue ignorieren und höhere Quoten festsetzen als empfohlen. So fordern Wissenschaftler seit Jahren einen Fangstopp für Dorsch, damit sich die Bestände in Nord- und Ostsee erholen können.

Umweltschützer fordern drastischere Maßnahmen

Aber die Regierungen lassen ihre Fischer trotzdem weiter Jagd auf den begehrten Speisefisch machen, wenn auch die Fangmenge reduziert wurde. Umweltschützer und Wissenschaftler warnen, dass die ständige Überfischung zu tief greifenden Veränderungen des Ökosystems führen kann. Angesichts der geschrumpften Bestände räumte Schwedens Fischereiminister Eskil Erlandsson bereits das Scheitern der gemeinsamen Fischereipolitik ein.

Um Fischbestände zu erhalten, die langfristig und nachhaltig genutzt werden können, müsse Schweden eigene Wege gehen. Und der Minister kündigte eine Reihe nationaler Sonderregelungen wie längere Schonzeiten für bedrohte Arten, das Verbot gewisser Fangmethoden sowie eine drastische Verkleinerung der schwedischen Fangflotte an. Vor allem die 300 großen und mittelgroßen Trawler hat es die Regierung abgesehen. Minister Erlandsson denkt an saftige Prämien für alle Fischer, die ihre Boote aus dem Verkehr ziehen und ihr Gewerbe aufgeben: „Wir haben viele Schiffe, die eine große Menge Fisch einholen können.”

Aber diese Fische gibt es in unseren Meeren nicht mehr. Wenn wir die biologische Vielfalt erhalten wollen, dann müssen wir unsere Flotte reduzieren.

Unzufriedene Fischer

Unterdessen wettert die Branche gegen den von Behörden und Politikern geforderten Alleingang. Höhere Auflagen nur in Schweden würden für viele Berufsfischer das Aus bedeuten, warnt Henrik Svenberg, Sprecher des Verbandes der Berufsfischer. Wie viele seiner Kollegen zweifelt auch Olle Eliasson längst am wirtschaftlichen Sinn seiner Arbeit.

Der Berufsfischer aus Grebbestad im Bohuslän fürchtet, dass die Abwrackprämie in kürzester Zeit einem ganzen Berufsstand den Garaus machen könnte: „Werften, Transportgewerbe, Fischauktionen - es geht ja nicht nur um uns Fischer. Das ganze Umfeld muss doch irgendwie profitabel bleiben. Wenn man da nicht aufpasst, zerschlägt man in kürzester Zeit die ganze Branche.”

Kaum ein Fischer kann noch von seinem Fang leben. Denn Europas Verbraucher interessieren sich in erster Linie für den Preis. Wie die Geschichte vom Dorsch endet, wird also nicht nur in Luxusrestaurants am Stockholmer Reichstag entschieden - sondern auch an den Kühltheken der Discounter.

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