Erfreulicher Anblick: frei weidende Schafe

Heilige Kuh im Blickpunkt

Beim heutigen Treffen der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel stehen die Zeichen auf Sturm. Die EU-Kommission will die Subventionen an die europäischen Bauern reduzieren und stattdessen mehr Geld für die Entwicklung der ländlichen Regionen insgesamt ausgeben. Ein Vorhaben, das keineswegs auf ungeteilte Sympathie stösst.

An der Frage der Landwirtschaftssubventionen erhitzen sich die europäischen Gemüter nicht erst seit gestern. Während die einen die Milliardenbeträge an die Bauern sozusagen mit Zähnen und Klauen verteidigen, steht Schweden traditionell auf der Seite derer, die den Gelderfluss einschränken wollen und dabei nicht zuletzt auf zweifelhafte Erscheinungen wie die Massentierhaltung verweisen. Lange verfügten Europas Landwirte in Brüssel offenbar über fähige Lobbyisten: Die heilige Subventions-Kuh wurde recht pfleglich behandelt. Bislang. Denn nun also will man sozusagen eine Scheibe von ihr abschneiden und stattdessen ländliche Gebiete aufrüsten. An die Spitze dieser Bewegung hat sich Schweden gestellt. Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson sieht in der Umverteilung der Gelder eine Reihe Vorteile:

“Wir haben auf diese Weise grössere Möglichkeiten, Weideland zu behalten, und das, denke ich, kommt der Mehrzahl der Schweden sehr entgegen. Die schwedische Allgemeinheit legt weiterhin grossen Wert auf Landschaften mit frei weidenden Tieren.“

Mit der Förderung der ländlichen Gebiete würden sich auch neue Investitionsmöglichkeiten erschliessen, ist der Landwirtschaftsminister überzeugt: Neben Land- und Forstwirtschaft könne man auch Serviceleistungen entwickeln, von denen die Lokalbevölkerung profitieren könne.
Dass die EU-Kommission nun einen Teil der traditionellen Landwirtschafts-Subventionen für die regionale Entwicklung abzweigen will, hat nach Ansicht der Kommission vor allem mit den stark gestiegenen Getreidepreisen und den gewachsenen Einkünften der Bauern zu tun. Die Landwirte bräuchten jetzt schlicht nicht mehr so viel Unterstützung, meint man – eine Ansicht, der Schweden also voll und ganz zustimmt. Doch die Proteste auf den geplanten neuen Kurs haben nicht lange auf sich warten lassen: Frankreich führt das gegnerische Heer an, das aus einer Gruppe weiterer EU-Länder und natürlich aus Interessengruppen der Landwirtschaft besteht.

Beim Zusammentreffen der gegnerischen Truppen ist also Streit vorprogrammiert. Die wichtigste Frage also: Sind die Getreidepreise auf dem Weltmarkt derart gestiegen, dass ungekürzte Subventionen an die EU-Bauern nicht mehr gerechtfertigt sind? Schwedens Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson findet, die Einkommen der Landwirte sollte der Markt selber regeln.

“Ich hoffe, es kommt zu einer stärkeren Anpassung an den Markt, und wir können auf die Exportsubventionen für lebende Tiere und ähnliches verzichten. Und ich hoffe, wir können die ländlichen Gebiete weiter entwickeln, Landschaften bewahren und die Umweltwerte pflegen, die wir in Europa mit Weideland, mit Sümpfen und Flüssen und anderem besitzen.“

 Anne Rentzsch

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