Pollensaison das ganze Jahr

In Schweden ist die Pollensaison bereits in vollem Gange, wegen des rekordmilden Winters schon mehrere Wochen früher als gewöhnlich. Pollenallergiker müssen befürchten, dass sie nicht nur in diesem Jahr länger leiden müssen. Denn im Zuge des Klimawandels kann in Zukunft sogar das ganze Jahr über Pollensaison sein.

Die Pollenmessstationen in Stockholm nehmen normalerweise erst im März ihre Arbeit auf. In diesem Jahr hat man fast zwei Monate eher mit den Messungen begonnen. Pollen von Erle und Hasel liegen schon seit Januar und Februar in der Luft, erklärt Agneta Ekebom, Pollenbiologin am Naturhistorischen Museum: „Wir haben einen Bedarf festgestellt, früher mit den Messungen zu beginnen. Dies ist der früheste Messstart, den wir jemals hatten. Aber ein früher Beginn der Pollensaison wird sicher immer üblicher werden. Allergiker spüren die Pollen jetzt schon.“

Jeder fünfte Schwede ist allergisch gegen Pollen. Bisher waren Heuschnupfen und Mattheit ein Frühlings- und Frühsommerphänomen. Aber seit die Winter immer milder geworden sind und der Frühling immer früher kommt, hat sich auch die Pollensaison verlängert. Schon in wenigen Jahren kann sie das ganze Jahr über dauern, meint Åslög Dahl, Doktorin der Botanik und Forschungschef beim Unternehmen Botanische Studien in Göteborg.

Agressive Ambrosia-Pollen breiten sich aus
Auch Agneta Ekebom sieht voraus, dass sich in den kommenden Jahrzehnten die Pflanzenwelt verändern wird. Mit dem wärmeren Klima werden sich einige Baumarten ausbreiten, andere werden zurückgehen. Infolge dessen werden bestimmte Allergiearten zunehmen, andere abnehmen. Vor allem die aggressiven Ambrosia-Pollen, die in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr in Schweden vorgekommen sind, könnten sich ausbreiten, befürchtet Agneta Ekebom: „Ambrosia-Pollen sind besonders Allergie auslösend und in Europa und in den USA eine große Last. Jetzt beginnen sie sich auch in Schweden zu verbreiten und mit einer milderen Herbstzeit immer üblicher zu werden. Wenn es noch spät im Sommer warm ist, dann sind die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Pollen verbreiten.“

Mehr Messstationen gefordert
Angesichts der veränderten Bedingungen sind Pollenprognosen für Allergiker wichtiger denn je. Doch in ganz Schweden gibt es zurzeit nur 14 Messstationen. In einigen Gegenden gibt es gar keine. Agneta Ekebom fordert, dass mehr Stationen eingerichtet werden: „Es fehlen Messstationen vor allem im nordschwedischen Inland. Allergiker brauchen Pollenprognosen, um ihre medizinische Behandlung planen zu können. Da wir sehen, dass sich mehr Gewächse in Richtung Norden ausbreiten, brauchen wir auch dort mehr Messstationen.“

Wo können Allergiker demnächst noch Zuflucht nehmen, wenn sie befürchten müssen, in Zukunft 12 Monate lang ununterbrochen schniefen zu müssen, müde und unkonzentriert zu sein? In den schwedischen Schären und im Gebirge sind die die Chance auf ein bisschen Erholung vom Pollenflug vergleichsweise gut.

Clarissa Blomqvist

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