Exil-Tibeter demonstrieren gegen chinesische Gewalt
Olympische Spiele

"Boykott bringt nichts": Sportler wollen nicht gegen chinesische Regierung protestieren

China greift hart durch gegen die Proteste der Tibeter und hat bereits noch weiter gehende drakonische Strafen für die Demonstranten angekündigt. Vor den Olympischen Sommerspielen sorgt das nicht gerade für positive Publicity Chinas, und macht, so finden vor allem Menschenrechtler, das Land empfänglich für Kritik. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, dass Schweden viel stärker vom Mittel des Boykotts Gebrauch machen sollte - um mehr Druck auszuüben und China an die Einhaltung der Menschenrechte zu erinnern.

Der drastischste Vorschlag kommt von der Umweltpartei. Ministerpräsident Reinfeldt solle seine für Mitte April geplante China-Reise einstellen, forderte die Vorsitzende der Grünen, Maria Wetterstrand. Dieser Boykott bringe mehr als beim Besuch lediglich formell auf Missstände hinzuweisen, so Wetterstrand in der Tageszeitung „Dagens Nyheter“. Doch mit ihrem Vorschlag steht die Umweltpartei in der schwedischen Parteienlandschaft allein da. Außenminister Bildt wies denn auch die Forderung umgehend von sich. Von Isolationspolitik halte er nichts, gerade jetzt sei der Dialog gefragt.

Das rücksichtslose Vorgehen Chinas gegen die tibetanischen Demonstranten fordert aber nicht zuletzt die Sportler. Sie sollten die Olympischen Spiele boykottieren, meint Frida Johansson Metso von den Jungen Liberalen, und wendet sich direkt an Hochsprung-Star Stefan Holm.

„Stefan Holm ist ein guter Mensch und gute Menschen reisen nicht in Diktaturen, um an Wettkämpfen in Arenen teilzunehmen, wo zuvor Menschen umgebracht wurden.“

”Sportler sind keine Politiker”

Stefan Holm seinerseits hält eine Absage der Spiele für falsch. Schon frühere Boykott-Aktionen wie etwa gegen Moskau 1980 hätten beispielsweise Afghanistan nicht genutzt. Und auch diesmal werde ein Boykott - zumal von einem einzelnen Sportler - rein gar nichts bringen.

„Ich glaube kaum, dass meine Teilnahme in irgendeiner Form Einfluss darauf hat, wie die chinesische Regierung mit den Tibetern umgeht. In gewisser Weise kann man natürlich kritisieren, dass China überhaupt den Zuschlag für die Spiele bekommen hat – aber dieser Beschluss ist nun auch schon über sieben Jahre alt.“

Stefan Lindeberg, Vorsitzender des Schwedischen Olympia-Komitees, betont, dass die Sportler als Sportler nach Peking reisen und nicht als Politiker.

„Wir als Sport-Organisation äußern uns nicht zur politischen Situation in China. Diesen Auftrag und diese Verantwortung haben andere. Unser Auftrag ist es, eine Truppe zu den Olympischen Spielen zu schicken. Dass die Spiele stattfinden sollen, finden nicht nur wir, sondern auch die EU-Sportminister, die wir kürzlich trafen. Unsere gemeinsame Auffassung ist es, dass Sport zum Dialog einladen und neue Kontakte knüpfen soll. Jegliche Kommentare zur Entwicklung eines Landes sind Sache der Politiker.“

Diplomatische Kommentare

Doch von denen also sind im Vorfeld der Olympischen Spiele vor allem vorsichtige, diplomatische Töne zu vernehmen. In seinem Weblog betont Außenminister Bildt die Wichtigkeit, China an Respekt gegenüber der tibetanischen Kultur „zu erinnern“. Und der Nachrichtenagentur TT sagte Bildt, dass China ja weitaus offener sei als noch vor einigen Jahrzehnten.

Liv Heidbüchel

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