Wird von afrikanischen Organisationen kritisiert: Handelsministerin Ewa Björling

Kritik an schwedischer Handelspolitik

Die schwedische Handelsministerin Ewa Björling wird für ihre Politik gegenüber Entwicklungsländern angegriffen. Und das nicht etwa aus den eigenen Reihen, sondern von  einer der größten Freiwilligenorganisationen in Afrika, dem Third World Network. Schweden engagiere sich für die armen Länder, um seine eigenen wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen zu können, so der Vorwurf.

Harte Worte gegen die schwedische Handelspolitik. Die Initiativen, mit denen Schweden in der Vergangenheit den afrikanischen Markt für europäische Firmen zugänglicher machen wollte, hätten nichts mit Entwicklungshilfe für arme Länder zu tun. Dies meint Yao Graham von der Afrikanischen Abteilung des Third World Network. Das Netzwerk ist eine der größten internationalen Vereinigungen von Hilfsorganisationen und auf Handelsfragen mit Entwicklungsländern spezialisiert:

„Das Engagement vertritt die Interessen einiger Gruppierungen in Schweden, widerspricht aber den Interessen der Menschen in Afrika. Und es steht im Widerspruch zu dem allgemeinen Bild von Schweden als einem der führenden Länder im Bereich der Entwicklungshilfe.“

Björling: Hilfsorganisationen eine Bedrohung für die armen Länder
Kurz vor Jahresende hatte die schwedische Handelsministerin Ewa Björling in der Tageszeitung Dagens Nyheter die Freiwilligenorganisationen kritisiert, unter ihnen die angesehene britische Hilfsorganisation Oxfam und die schwedische Entwicklungshilfeorganisation Forum Syd. Sie bezeichnete die Organisationen als eine Bedrohung für die armen Länder, weil sie gegen die neuesten Handelsabkommen zwischen der EU und Afrika arbeiteten. Und in der Handelserklärung der Regierung sagte die Ministerin vor einigen Wochen, die besten Möglichkeiten bei zukünftigen Verhandlungen mit diesen Ländern lägen in den Bereichen der Dienstleistungen und Investitionen.

Wirtschaftszweig Dienstleistungen ein rotes Tuch
Es sind gerade diese Worte, die auf viele arme Länder wie ein rotes Tuch wirken, sowohl auf die Bevölkerung als auch auf die Regierungen. Viele Jahre lang haben die Entwicklungsländer innerhalb der Welthandelsorganisation WTO gerade diese Bereiche gemieden. Sie befürchteten übervorteilt zu werden, weil ihre eigene Wirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt.  

Dass die EU jetzt ihr Augenmerk ausgerechnet auf den Bereich der Dienstleistungen richtet, sei nicht verwunderlich, meint Yao Graham vom Third World Network. Im Bereich der Herstellung von Waren seien asiatische Länder, allen voran China, gerade dabei, Europa den Rang abzulaufen. Bei Dienstleistungen etwa im Telekommunikationsbereich könne Europa dagegen im Moment viel Geld verdienen: „In Europa werden Dienstleistungen zum führenden Sektor innerhalb der Wirtschaft. Und deshalb möchte Europa seine Wettbewerbsinteressen auch auf neuen Märkten wahrnehmen. Die schwedische Ministerin sieht Afrika durch die Brille europäischer Interessen. Und was ihr Engagement für die Armen und die armen Länder betrifft, hat sie einen ganz falschen Ansatz.“

Clarissa Blomqvist

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