Kommune Växjö Vorbild in Sachen Umweltschutz

30 Prozent weniger CO2-Ausstoß durch fossile Kraftstoffe seit 1993 - das ist das stolze Ergebnis, das die Gemeinde Växjö in Südschweden vorlegt. Erreicht hat sie es durch einen Pakt von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ein Konzept, das bereits mit mehreren Umweltpreisen ausgezeichnet wurde, im Vorjahr etwa mit den „Sustainable Energy Europe Awards 2007” von der EU-Kampagne ”Sustainable Energy for Europe Campaign”.

Eine einsame Tanksäule beim Klärwerk Sundet vor den Toren von Växjö. Steve Karlsson ist mit seinem Kleinwagen vorgefahren und hat den Tankdeckel aufgeklappt. Mit einem gezielten Griff dockt er den Tankstutzen an, legt einen Hebel um und lässt ein mächtiges Zischen hören. 25 Kubikmeter Biogas werden in den Tank gepresst, ein Abfallprodukt des Klärwerks nebenan, erklärt Karlsson, der dort beschäftigt ist: „Heute tanken hier 40 Autos, der größte Teil ist für die Gemeinde unterwegs. Die Anlage könnte möglicherweise bis zu 75 Autos versorgen. Und es wird jetzt diskutiert, ob auch Stadtbusse mit Biogas betrieben werden können.“

Bei der Umstellung auf ein Leben ohne fossile Brennstoffe geht es auch in Växjö um die Frage, wie sich aus biologischen Abfallstoffen mit wenig Reibungsverlust neue Energie herstellen lässt. In der Gemeinde mit ihren 80 000 Einwohnern hat man damit bereits seit mehr als zehn Jahren Erfahrungen gesammelt. 1996 beschloss der Stadtrat, Växjö in Zukunft unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen.

Informationskampagnen sollen Umweltinteresse wecken
Zugleich holten die Politiker Wirtschaft und Wissenschaft mit ins Boot. Inzwischen spielen auch die Kampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung eine große Rolle, sagt So Hie Kim-Hellström, die bei der Stadtverwaltung für die Koordination der Umweltprojekte zuständig ist: „Das Interesse ist gewaltig. Und viele wollen sich beteiligen. Das hat mit der Klimadebatte zu tun. Ich denke, durch Informationskampagnen, die zeigen, was wir schon erreicht haben, warum wir das machen und was man selbst tun kann, überzeugen wir die Leute. Es ist wichtig, dass wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Heizkraft aus Holzabfällen
Im Fernheizkraftwerk Sandviken hat die Umstellung schon vor knapp 30 Jahren stattgefunden. Der Heizkessel Sandviken II, der in den 90er Jahren gebaut wurde, wird zu 95 Prozent mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben. Es sind vor allem Holzabfälle, die sich auf dem Hof der Anlage auftürmen:

„Verglichen mit Öl braucht man zehn Mal so viel Volumina für die Herstellung der gleichen Menge Energie“, sagt Lotta Tranvik und rückt den Schutzhelm zurück.  Die Ingenieurin steht vor einem riesigen Berg aus Holzspänen, Torf und klein gehäckselten Zweigen. Mit  Baggerschaufeln werden sie in einen offenen Schacht geschüttet und gelangen über Laufbänder ins Innere des Werkes, erläutert Tranvik: „Was wir hier vor uns sehen, das ist Material für eine Woche Produktion. Wenn wir auf Hochtouren laufen, benötigen wir 50 Tonnen pro Stunde. Das sind ungefähr 150 Kubikmeter Holzbrennstoff. Dafür brauchen wir die Ladung von eineinhalb Lastwagen mit Anhänger pro Stunde, rund um die Uhr.“

Heute versorgt Sandviken fast die gesamte Innenstadt mit Heizwärme und liefert etwas mehr als die Hälfte des benötigten Stroms. Verglichen mit herkömmlichen Heizverfahren könnten Verbraucher die Hälfte der laufenden Kosten sparen, schätzt Lotta Tranvik. An der Universität Växjö wird zudem erforscht, wie sich im waldreichen Schweden in Zukunft aus Holz auch Treibstoffe für Autos herstellen lassen.  Projektleiter Sune Bengtsson erklärt: „Es geht uns um die Abfälle aus dem Wald, das, was weder für die Papier- noch für die Holzproduktion eine Rolle spielt, also Spitzen, Zweige und Stümpfe, die im Wald liegen bleiben, verrotten und Methan produzieren. Daraus stellen wir ein reines Synthesegas her, das als Baustein für Fahrzeugkraftstoffe dienen kann.“ Bis zu einem Viertel der Fahrzeugkraftstoffe könnten in Schweden zukünftig aus Holz gewonnen werden, schätzt Bengtsson.

Klimabewusstes Wohnen
Nicht nur die Wissenschaft, auch die Wirtschaft ist in Växjö auf  klimaschonendes Handeln eingestellt, zum Beispiel in Biskopshagen. Südlich der Innenstadt entstehen dort 350 neue Häuser. An das Gebäude der Vorschule Silen legen Handwerker derzeit letzte Hand an. Patrik Hjälm betreut den Bau im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft Växjöhem: „In diesem Gebäude haben wir vor allem dafür gesorgt, dass es so luftdicht wie möglich wird. Verglichen mit dem schwedischen Standard haben wir sehr dicke Wände gebaut. Außerdem haben wir die Innenwände mit Plastik verkleidet.“

Zudem setzen schwedische Wohnbaugesellschaften in Växjö auf den Einbau von individuellen Strom- und Wasserzählern. Das hat bereits einen deutlichen Energiespareffekt hervorgebracht, sagt So Hie Kim-Hellström vom Stadtrat. Ihr Motto für die Zukunft: „Das Wichtigste ist, mit dem Nachdenken anzufangen, zum Beispiel über den eigenen Lebensstil. Frag dich, ob du wirklich übers Wochenende eine Fernreise mit dem Flugzeug machen musst. Versuch, im Hier und Jetzt zu leben. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, aber jeder einzelne von uns kann etwas für die Umwelt tun.“

Alexander Budde

19.3.2008

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