So manches Arzneimittel ist schon zur Modedroge verkommen.
behörden warnen vor Modedroge:

Phenazepam macht sich breit

Eine neue gefährliche Droge macht sich in Schweden breit: Phenazepam heißt das Mittel, das besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer mehr Anhänger findet – anscheinend so viele, dass die Behörden nun warnen.

Phenazepam war ursprünglich in der Sowjetunion entwickelt worden. Das Mittel war zur Behandlung von Epilepsie und Schlaflosigkeit wie auch beim Alkoholentzug gedacht. Doch es wirkt nicht nur beruhigend, sondern kann auch Nebenwirkungen wie Schwindelgefühle oder Verlust der Koordination haben. Und das scheint geradezu verlockend für Menschen zu sein, die auch andere chemische Drogen konsumieren. Daniel Hallberg, Chef des Rauschgiftdezernats der Polizei in Örebro, befürchtet jedenfalls, dass Phenazepam zu einer Modedroge wird.

„Das ist eine Droge, die einen Aufschwung erlebt, wahrscheinlich, weil sie leicht und günstig zu bekommen ist. Jemand besorgt sich das Mittel über das Internet oder andere Kontakte und verteilt es dann und erzählt, das sei richtig gutes Zeug, das man ausprobieren muss.“

Zwei Dinge machen Phenazepam so gefährlich. Einmal fällt das Mittel in Schweden nicht unter das hiesige Betäubungsmittelgesetz. Damit ist es frei zugänglich. Zum anderen ist Phenazepam sehr schwer zu dosieren. Die Gefahr einer Überdosis ist sehr groß. In Örebro wurden in der letzten Zeit sechs junge Männer wegen Phenazepam-Missbrauchs stationär behandelt. Auch aus anderen Teilen des Landes wurden Fälle von Atemstillstand und Bewusstlosigkeit durch Phenazepam gemeldet.

Arne Eklund vom Amt für Gerichtsmedizin in Linköping hat selbst den Fall eines Jungen erlebt, der das Mittel eingenommen hat. Die Mutter hatte sich beim Amt gemeldet und Eklund den Fall geschildert.

„Ihr Sohn hatte sich das Mittel über das Internet gekauft und den Inhalt einer Tüte geschluckt. Sie war sehr beunruhigt, weil er einen oder zwei tage nach der Einnahme immer noch angegriffen war. Ich habe ihr dann gesagt, sie soll sich an einen Arzt wenden.“

Ein Netzwerk gegen Drogenmissbrauch in Skandinavien hat jetzt das Problem Phenazepam aufgegriffen. Gemeinsam wollen Polizei, Zoll, aber auch die staatliche Gerichtsmedizin und die Behörde für das Arzneimittelwesen erreichen, dass das Präparat als Betäubungsmittel eingestuft wird. Nach Angaben von Experten dauert es allerdings sechs bis neun Monate, bevor ein Medikament als Narkotikum eingestuft ist.

Anita Brodén geht das zu langsam. Die Parlamentsabgeordnete der Liberalen will den Prozess beschleunigen:

„Das heutige System ist zu unbeweglich. Alles dauert zu lange, und es gibt ja immer Menschen, die das System umgehen. Die sind auf negative Weise äußerst kreativ, wenn neue, gefährliche Drogen auf den Markt kommen und das Leben von Jugendlichen aufs Spiel setzen.“

Brodén fordert schnellere Maßnahmen nach Art einer einstweiligen Verfügung, um den Verkauf mutmaßlicher Drogen schnell unterbinden zu können. Ob sie sich mit dieser Idee durchsetzen kann, muss jedoch abgewartet werden.

Thomas Fenske

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