Kinder von Alleinerziehenden sind vergleichsweise oft von Armut betroffen

Immer mehr arme Kinder

Seit den 1990er Jahren ist die Zahl armer Kinder in Schweden zwar zurückgegangen, doch heute ist die Kluft zwischen sehr armen und sehr wohlhabenden Kindern ungleich gröβer. Vor allem Kinder aus Einwandererfamilien haben das Nachsehen. Auf diese Missstände weist ein neuer Bericht des Kinderschutzbundes „Rädda Barnen“ hin.

Die Segregation in der Gesellschaft nimmt zu. So fasst Kalle Elofsson vom Kinderschutzbund die jüngsten Erkenntnisse zusammen. Im einwanderungsstarken Vorort Rosengård in Malmö waren die armen Kinder schon zu Beginn der 90er Jahre überrepräsentiert. Sieben Mal mehr arme Kinder als etwa in gut betuchten Stadtteilen Göteborgs. 2005 waren es schon zwanzig Mal so viele. 

„Die Kluft zwischen reich und arm wächst“, betont Kalle Elofsson von „Rädda Barnen“. „Dort, wo es schon immer mehr Armut gegeben hat, gibt es heute noch mehr arme Kinder. In reicheren Gegenden ist es genau umgekehrt. Jedes zweite Einwandererkind, das mit nur einem Elternteil aufwächst, ist von Armut betroffen. Zum Vergleich: Nur drei Prozent der Kinder mit zwei schwedischen Elternteilen leben in Armut.“

Immer wenn es um Kinderarmut geht, drängt sich die Frage auf, wann eigentlich jemand als arm bezeichnet werden kann. Laut schwedischem Kinderschutzbund fällt unter finanzielle Not derjenige, der von Sozialhilfe lebt oder dessen Einkünfte nicht reichen, um die Ausgaben für Wohnen und notwendigen Konsum zu decken. Und „notwendiger Konsum“ bedeutet keineswegs das neueste Handy, um nicht als Mobbing-Opfer dazustehen. Vielmehr kritisiert der Kinderschutzbund, dass die eigentlich kostenfreie Institution Schule sehr wohl extra Ausgaben für die Schüler und ihre Eltern bedeutet – Ausgaben mit Konsequenzen. Kalle Elofsson:

„Im Gesetz ist die Rede von „geringfügigen Abgaben“, doch die haben landesweit ganz unterschiedliche Auswirkungen. Kürzlich sprach ich mit einer Mutter, deren Kind von Mitschülern als armer Schlucker beschimpft wurde. Das Kind musste schließlich die Schule wechseln. Für andere bedeuten die Extrakosten, dass ihre Kinder zum Beispiel nicht mit auf eine Studienfahrt nach Auschwitz kommen können, die kostet immerhin über 300 Euro.“

Kinderschutzbund hofft auf neues Schulgesetz

Zum Sommer will Schulminister Jan Björklund das überarbeitete Schulgesetz vorstellen. Der Kinderschutzbund hofft, dass die Regelung zu den so genannten „geringfügigen Abgaben“ dann gestrichen wird. Schon jetzt jedoch kommen Signale aus dem Bildungsministerium, dass alles so bleiben soll wie bisher. Staatssekretär Bertil Östberg:

„Im Schulgesetz steht, dass lediglich vereinzelte Aktivitäten geringe Abgaben mit sich führen können. Die Ausbildung dagegen ist gratis. Da ist das Gesetz ganz unmissverständlich.“

Allerdings räumt Östberg ein, dass die Schulbehörde die Schulen noch besser kontrollieren könnte als bislang – um sicher zu gehen, dass „geringfügige Abgaben“ auch tatsächlich nur geringfügig sind.

Liv Heidbüchel

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