Abwicklung

Geringes Vertrauen in Atomkraft

Das Vertrauen der Schweden in die Atomkraft ist so niedrig wie nie zuvor. Einer Studie der Universität Göteborg zufolge sprechen sich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung gegen den Bau neuer Reaktoren aus. Grund dafür ist wahrscheinlich die Pannenserie in schwedischen Atomkraftwerken in den vergangenen zwei Jahren.

39 Prozent der schwedischen Bevölkerung haben großes oder sehr großes Vertrauen in die heimische Kernenergie, zeigt die Göteborger Studie. Das sind immerhin zehn Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr und stellt damit den schlechtesten Umfragewert für die Atomwirtschaft seit mehr als zwei Jahrzehnten dar, sagt der Leiter der Untersuchung, Sören Holmberg: „Das sind die niedrigsten Werte, die wir jemals im Zusammenhang mit Atomkraft gemessen haben. Nur im Jahr 1986, kurz nach der Tschernobyl-Katastrophe, waren die Werte ähnlich schlecht. Das ist eine dramatische Entwicklung.“

Ein Schlag ins Gesicht
Für alle politischen Kräfte, die aus der Klimadebatte Kapital für den Bau neuer Kernkraftwerke schlagen wollen, ist die Untersuchung der Universität Göteborg ein Schlag ins Gesicht. Gerade diejenigen, die sich vor einer weltweiten Erderwärmung fürchten, stehen dem Bau neuer Reaktoren besonders skeptisch gegenüber.

Das Argument, Atomstrom sei die Lösung bei der Suche nach CO2-neutralen Energiequellen, verfängt bei den Schweden jedenfalls nicht, erläutert Politikwissenschaftler Sören Holmberg: „Wahrscheinlich hat dies mit der Pannenserie im Atomkraftwerk Forsmark im Sommer 2006 und der anschließenden öffentlichen Debatte zu tun. Den Schweden ist dabei klar geworden, dass ihre Atommeiler nicht so sicher sind, wie sie glaubten.“

Referendum 1980 
Zwar ist der Ausstieg aus der Kernenergie seit dem Volksentscheid von 1980 bereits beschlossene Sache, doch nahezu jeder dritte Schwede will an dieser Energiequelle festhalten, wenn eine bessere Wartung der bestehenden Atommeiler gewährleistet ist. Und 18 Prozent sprechen sich gar für den Bau neuer Reaktoren aus. Damit besteht für den Forterhalt schwedischer Atomkraft trotz allen Misstrauens weiterhin eine solide Basis.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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