Vielen Schweden geht es immer schlechter, dafür werden sie insgesamt immer älter
Volksgesundheit

Bericht: Schweden werden immer gesünder und älter - jungen Frauen geht es immer schlechter

Dem Schweden an sich geht es gut. Zu diesem Schluss kommt das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen in seinem jüngsten Bericht. Eine der Ursachen für die verbesserte Volksgesundheit ist, dass immer weniger Schweden rauchen. Folglich erkranken immer weniger Menschen an Herz- und Lungenkrankheiten. Doch es gibt auch Ausnahmen im allgemeinen Positivtrend.

Kindern, jungen Männern und Alten geht es insgesamt besser. Nur eine Gruppe hinkt deutlich hinterher und das sind junge Frauen. Besonders beim Gewicht kommt das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen zu erschreckenden Ergebnissen. Projektleiterin Danuta Bitterman:

„Wir haben festgestellt, dass sowohl Untergewicht als auch Fettleibigkeit zu Gefühlen wie Angst und Bedrückung beitragen. Bei gewöhnlichem Übergewicht ist das nicht der Fall. Dazu kommt, dass Untergewicht bei Frauen zwischen 15 und 24 Jahren viel häufiger auftritt als Fettleibigkeit.“

Diskussion übers Dicksein nimmt zuviel Raum ein

Weil auch die Schweden - und vor allem vermehrt auch Kinder – immer dicker werden, haben sich die Behörden in der Vergangenheit in erster Linie auf die Bekämpfung des Übergewichts gestürzt. Allein ein Blick auf die männliche Bevölkerung zeigt, dass dringend kollektiv abgenommen werden sollte: Jeder zweite Schwede ist Untersuchungen zufolge zu schwer.

Die Diskussion über Fettleibigkeit hat jedoch laut Danuta Bitterman vom Amt für Gesundheits- und Sozialwesen auch negative Folgen. Über Probleme mit Untergewicht und Magersucht wurde ihrer Meinung nach bislang viel zu wenig gesprochen. Ursache dafür, dass vergleichsweise viele Mädchen hungern, ist laut Bitterman der Druck der Umwelt.

„Man wird doch überall vom herrschenden Schönheitsideal bombardiert. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass man danach strebt, dünn und schön zu sein.“

Dabei führt gerade Untergewicht zu schwer wiegenden psychischen Problemen. Daran und an Angstzuständen leidet laut Bericht heute jede dritte junge Frau - das sind fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Auch die Zahl versuchter Selbstmorde ist in der Gruppe der jungen Frauen gestiegen.

Warten auf Berufseinstieg - in Armut

Ebenfalls negativ zu Buche schlägt die Tatsache, dass es im wohlhabenden Schweden immer mehr Arme unter den Jungen gibt – ebenfalls doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Dies liege unter anderem am Trend, immer später ins Berufsleben einzusteigen. Die jungen Schweden warten immer länger auf Arbeit und Wohnung – und in gleichem Maß wächst die Unzufriedenheit, die schließlich zu ernsten psychischen Problemen führen kann.

Positiv am Bericht ist allerdings, dass die Lebenserwartung deutlich gestiegen ist: Männer werden im Schnitt 79 Jahre alt, Frauen sogar 83.

Liv Heidbüchel

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