China-Themenwoche auch im Schwedischen Rundfunk
China

Interesse an Chinesisch-Kursen wächst

Im Zeichen der Olympischen Spiele und wachsender Wirtschaftskontakte nimmt in Schweden das Interesse an China zu. Der Studenten- und Praktikantenaustausch zwischen beiden Ländern wächst. Auch in den schwedischen allgemeinbildenden Schulen entscheiden sich immer mehr Schüler für das Fach Chinesisch anstatt Deutsch oder Französisch zu büffeln. Am Gymnasium des Stockholmer Vororts Skärholmen beispielsweise wird seit dem Herbst Chinesisch angeboten.

„Ich lerne gerne Sprachen und Chinesisch ist ja jetzt so wichtig”, sagt Larissa. „Und das Zeichensystem bei Chinesisch macht das Lernen besonders interessant.”

Larissa und ihre Freundin Christine gehen auf die gymnasiale Oberstufe in Skärholmen. Die Ausbildung ist international ausgerichtet und der gesamte Unterricht findet auf Englisch statt. Die beiden sprechen mehrere Sprachen fließend, und sind sich einig, dass Chinesisch schwerer ist als die, die sie bisher gelernt haben.

Larissa zeigt ein Lehrbuch über die chinesische Schrift. Chinesisch hat Tausende von Zeichen, aber die können die beiden Anfängerinnen noch nicht. „Wir können schon ungefähr 150”, lacht Larissa optimistisch. „Aber das reicht bestimmt, um sich einen Tag lang in China durchzuschlagen.”

Gewöhnungsbedürftig: Strenge chinesische Hierarchie
An schwedischen Universitäten werden Studienaufenthalte in China immer beliebter. David Rynde von der Technischen Hochschule in Stockholm konnte kein Wort Chinesisch als er im Sommer 2007 mit einigen Kommilitonen ein Berufspraktikum bei einem südchinesischen Unternehmen absolvierte.

Besonders erstaunt war er über die strikte Unternehmenshierarchie. „Für die männlichen Mitarbeiter herrschte Krawattenzwang. Ohne Krawatte gab’s Gehaltsabzüge. Wer morgens fünf Minuten zu spät kam, dem wurde der ganze Vormittag nicht als Arbeitszeit angerechnet.” David betont, dass nicht alle Unternehmen in China nach diesem Prinzip arbeiten. Aber er vermutet, dass solch harte Methoden das Personal in Schach halten sollen und zu einer Diktatur gehören.

David vermisst auch die in Schweden selbstverständliche Schutzausrüstung für die Arbeiter: „Mir fiel besonders auf, dass es zum Beispiel überhaupt keinen Schutz gegen Lösungsmittel gibt. Die Mitarbeiter machen ihre Lungen beim Spritzlackieren kaputt, aber das wissen sie nicht und so fordern sie auch keine Schutzausrüstung.”

David Rynde zeichnet ein recht düsteres Bild vom chinesischen Arbeitsleben und die schwedischen Zeitungen publizieren allarmierende Berichte über Proteste der Bevölkerung in Tibet und über die Gewalt der chinesischen Truppen gegen Demonstranten.

Auslandssemester fördert Kritikfähigkeit
Wu Che ist seit Januar Gaststudent an der Universität Stockholm und studiert dort Wirtschaftswissenschaften. Beim Treff mit Radio Schweden in der Universitätsbibliothek betont er, wie sehr er sein Heimatland China liebt und dass er nach dem Gaststudium dorthin zurückkehren will.

Aber er bedauert, dass die chinesische Bevölkerung im Allgemeinen nicht besser ausgebildet ist und die Regierung Berichte wie die über Tibet zensuriert. „Die Regierung blockiert Information, so dass junge Menschen, also unsere Generation, nicht richtig wissen was passiert. Ich glaube, das geschieht um den Frieden und die Stabilität in China zu erhalten, aber ich finde trotzdem nicht dass es richtig ist”, sagt Wu. „Die Menschen müssen die Wahrheit wissen!”

Wu Che bewarb sich um ein Auslandsstipendium, weil er sich weiterentwickeln wollte. Schweden wählte er unter anderem weil das skandinavische Land einen so sauberen und friedlichen Eindruck machte, ganz anders als China, wo die Umweltverschmutzung immer schlimmer wird.

Der werdende schwedische Ingenieur David Rynde stimmt dem zu. Unternehmen, die in China investieren, haben auch Verantwortung, meint er. „Wir aus dem Westen müssen mehr Verantwortung übernehmen und China die richtige Einstellung zu Umweltfragen vermitteln. Zum Beispiel wohnen ja sehr viele Menschen in China. Wenn sie alle mit dem eigenen Auto herumfahren würden, hätten wir ein Riesenproblem. Vielleicht sollte man stattdessen dafür sorgen, dass die Chinesen Elektroautos und ähnliche technische Lösungen bevorzugen.”

Von Skärholmen ins Reich der Mitte
Zurück zum Gymnasium im Stockholmer Vorort Skärholmen. In einem der Pausenhöfe der Schule soll ein richtiger chinesischer Garten angelegt werden. Die Schüler haben mit eigenen Modellen zum Entwurf beigetragen. Denn zum Unterricht gehören nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch Landeskunde, Kultur und Kunst.

Christine und Larissa wollen auch im nächsten Jahr das Fach Chinesisch wählen und hoffen auf Auslandsaufenthalte: „Mein Traum sind Auslandsstudien. Chinesisch ist ja eine wichtige Sprache und ich würde gern in China studieren.”

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