Einschlafprobleme weit verbreitet
Medizin

Volkskrankheit Schlaflosigkeit kostet Millionen

Weit verbreitete Schlafstörungen, auch Insomnie genannt, sind ein größerer Kostenfaktor für die Gesellschaft als bisher angenommen. Nun haben schwedische Forscher erstmalig berechnet, wie teuer schlechter Schlaf ist. Ergebnis: 160 Millionen Euro.

Schlafstörungen sind aber längst nicht das einzige Problem für den Betroffenen.

Ein ganzer Rattenschwanz folgt, erklärt Jan Hedner, Schlafforscher an der Sahlgrenska Akademie in Göteborg: „Patienten mit der Diagnose Insomnie müssen generell öfter zum Arzt und brauchen mehr Beratung. Der Gesamtgesundheitszustand des Menschen ist schlecht. Zum Beispiel hängt Depression oft mit Insomnie zusammen. Das alles führt zu hohen indirekten Kosten, vor allem durch Produktionsausfall.“

Vor allem Frauen liegen wach

Unter Schlaflosigkeit oder Insomnie zu leiden bedeutet vor allem Schwierigkeiten beim Einschlafen. Dies führt über kurz oder lang zu chronischem Schlafmangel. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass nahezu jeder dritte Schwede davon betroffen ist. Man wälzt sich im Bett, grübelt über die Probleme des Tages nach und schon ist die Nacht vorbei. Besonders hart trifft es offenkundig den weiblichen Teil der Bevölkerung. Laut Statistischem Zentralamt leidet gut ein Drittel der Frauen unter Schlafstörungen. Aber auch jedem fünften Mann fällt es schwer, einfach die Augen zuzumachen.

Relativ neu unter den Betroffenen ist die Gruppe der Computerfreaks. Sie sind oftmals ein oder zwei Tage wach und fallen dann in einen komatösen 15-stündigen Schlaf. Immer häufiger brauchen schon Jungen und junge Männer medizinische Hilfe, um ihren zerstörten Tagesrhythmus wieder gerade zu rücken. Schlafforscher Hedner befürchtet, dass besonders diese Gruppe Gefahr läuft, ihrer Gesundheit langfristig zu schaden. Doch es gibt Hilfe – im Prinzip jedenfalls:

„Es gibt zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie, bei der man die Wahrnehmung des eigenen Zustands beeinflusst“, erklärt Schlafforscher Hedner. „Doch so wie der Patient erst einmal einsehen muss, dass er an Insomnie leidet, so müssen wir in Schweden aber auch besser darin werden, diese Schlafstörungen zu behandeln. Im Prinzip wissen wir ja, was zu tun ist, doch die Ressourcen reichen einfach nicht, um den Menschen so zu helfen wie sie es dringend benötigen.“

Ohne Schlaf schlechte geistige Entwicklung

Wie wichtig guter Schlaf ist, zeigt sich schon bei den Kleinsten. Fast jedes zehnte Kind leidet unter Schlafstörungen – oftmals hervorgerufen durch Atemprobleme. Wenn Kinder früher schnarchten, entfernten Ärzte oft die Polypen. Ein Eingriff, der in den vergangenen Jahrzehnten sehr selten geworden ist. Nun raten Forscher allerdings neuerlich zur Operation, denn: Die mentale Entwicklung leidet enorm. Schließlich entwickelt sich das kindliche Gehirn vor allem während des Nachtschlafs.

Und wer schon als Kind schlecht Luft bekommt und infolgedessen schlecht schläft, schleppt diese Probleme mit ins Erwachsenenleben – in Form von Atemstopps. Die Folge – im schlimmsten Fall: Herzinfarkt und Schlaganfall.

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