Kernkraft

Nach den Störfällen: Energieunternehmen Vattenfall will sicherer werden

Die öffentliche Kritik am staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall und seinen haarsträubenden Versäumnissen beim Betrieb von Kernkraftwerken reißt nicht ab. In Deutschland wird vielerorts schon bitter bereut, dass man den Schweden Nuklearanlagen anvertraut hat. Die wiederholten Pannen und Störfälle schüren Angst und Zweifel. Namen wie Krümmel und Brunsbüttel stehen für das Versagen eines Betreibers, der auch im eigenen Land fatale Fehler zu verantworten hat.

Es war im Juli 2006, als sich den Schreckensannalen der durchgegangenen Atomkraftwerke Three Mile Island und Tschernobyl um Haaresbreite das schwedische Forsmark zugesellt hätte. Experten sprachen damals von einer Beinahe-Katastrophe, die das Ausmaß von Tschernobyl hätte übertreffen können.

Eine Mischung von Schlamperei und Arroganz führte dazu, dass gravierende Mängel im Sicherheitsbereich von Forsmark einfach nicht beachtet, geschweige denn behoben wurden. Auf diese Mängel hatte die schwedische Kernkraft-Kontrollbehörde die Leitung von Vattenfall schon 2004 hingewiesen. Doch nichts geschah, und so kam es zwei Jahre später nach einem harmlos anmutenden Stromausfall zum Zusammenbruch des lebensnotwendigen Kühlkreislaufes mit beinahe verheerenden Folgen. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen danach verbessert, doch Forsmark musste wegen immer neuer Zwischenfälle mehrmals abgeschaltet werden.

Weil die Störfälle in den schwedischen und deutschen Nuklearanlagen einfach nicht abreißen wollten, schuf die Konzernleitung kürzlich einen neuen Posten, den es eigentlich von jeher hätte geben müssen – den Posten eines Beauftragten für Kernkraftsicherheit. Der neue Mann heißt Per-Olof Waessman und beschreibt seine Aufgabe so: 

„In meiner Rolle als Sicherheitskontrolleur bei Vattenfall beobachte ich den Betrieb mit neuen Augen, um zu sehen, ob es irgendwelche Schwächen gibt. Dann berate ich die Leitung.“

Sicherheit kein Thema in Jahresberichten
Das ist tatsächlich etwas Neues bei Vattenfall, denn ein vom Konzern selbst angeforderter Bericht offenbarte im vergangenen Herbst, dass sich das Thema Kernkraftsicherheit in den Jahresberichten des Energieunternehmens in keiner Weise widerspiegelte. Das klingt zwar unglaublich, aber die Wahrheit ist noch bestürzender, wie Per-Olof Waessman bestätigt: „In der Tat ist der gesamte Kernkraftbetrieb von Vattenfall in den internen und offiziellen Rechenschaftsberichten überhaupt nicht erwähnt worden. Das haben wir jetzt geändert, denn das ist wichtig.“

Dieser treuherzig anmutenden Feststellung lässt Waessman eine weitere Selbstverständlichkeit folgen: „Als Betreiber hat Vattenfall eine große Verantwortung zu tragen. Es ist enorm wichtig, dass die Leitung gut über die Kernkraft-Aktivitäten informiert ist.“

Wohlgemerkt, Vattenfall ist ein staatliches Unternehmen, das für sich in Anspruch nimmt, in Sachen Klima- und Umweltschutz Vorbild zu sein.

Vattenfall will wieder Weltklasse werden
Dazu passen die unentschuldbaren und lebensgefährlichen Fehler beim Betrieb von Atomanlagen ebensowenig wie das Verpesten der ostdeutschen Atmosphäre durch das Verfeuern giftiger Braunkohle. 

Wie beurteilt der neue Sicherheitsbeauftragte im Nachhinein das Fast-Desaster in Forsmark? Waessmans Antwort klingt diplomatisch: „Dieser Vorfall hat gezeigt, dass es Mängel gab. Man war nicht so gut, wie man glaubte. Daran arbeitet man jetzt hart, um wieder zur Weltklasse aufzusteigen.“

Einen solchen Aufstieg trauen viele Kenner der Materie Vattenfall nicht zu.

Klaus Heilbronner 

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