Überwachte Schulhöfe, aber keine Einschränkung des Spiels

Kameraüberwachung nach Schulschluss

Einbrüche und Zerstörungen an schwedischen Schulen nehmen zu. Immer mehr Schulen lassen deshalb Überwachungskameras installieren. Kritiker befürchten nun, dass die Integrität der Schüler beeinträchtigt wird. Der Justizkanzler will die elektronische Überwachung sogar nur zu bestimmten Zeiten am Abend und in der Nacht zulassen.

Ganz so sorgenfrei wie ihr Name es verheißt, geht es nicht zu an der Sorgenfriskola im südschwedischen Malmö. Im vergangenen Herbst wurde in der Schule eingebrochen und großer Schaden angerichtet. Schuldirektor Nils Daag will nun Überwachungskameras installieren lassen, um zu kontrollieren, was sich nach Schulschluss auf dem Hof abspielt. Andere Schulen in der Gegend haben schon gute Erfahrungen mit den Geräten gemacht. Seit die Gebäude überwacht würden, seien Überfälle merkbar seltener geworden, so Rektor Daag:

„Wir haben dort dramatische Veränderungen beobachtet. Vandalismus ist stark zurückgegangen. Deshalb wollen wir uns auch um eine Erlaubnis bemühen. Wir haben ja kein besonderes Interesse daran, allzu viele Kameras zu installieren oder die Kameras länger anzuhaben als nötig.“

Innerhalb der Schulen, dort wo die Allgemeinheit keinen Zugang hat, können ungefragt Überwachungskameras installiert werden. Sogar das Geschehen in den Klassenräumen darf aufgenommen werden, sofern dies denn deutlich markiert ist. An Plätzen allerdings, wo die Allgemeinheit Zugang hat, also etwa auf Schulhöfen, muss erst eine Genehmigung von der Regionalverwaltung eingeholt werden.

Die Kameraüberwachung an Schulen trifft nicht bei allen auf Verständnis. Kritiker sehen die persönliche Freiheit der Lehrer und Schüler eingeschränkt. Sogar die Frage, in welchen Zeiträumen die Kameras aufnehmen dürfen, wird heftig debattiert. Die Sorgenfriskola in Malmö darf ihre Kameras an Schultagen zwischen sechs Uhr abends und sechs Uhr morgens und an schulfreien Tagen 24 Stunden lang anhaben. Gegen diese Erlaubnis hat jetzt der Justizkanzler Göran Lambertz beim zuständigen Verwaltungsgericht Einspruch erhoben. Er verlangt, dass die Kameras erst später eingeschaltet werden dürfen, und zwar erst ab acht Uhr abends an normalen Schultagen und ab fünf Uhr nachmittags an schulfreien Tagen. Lambertz meint, dass sich Schüler, die sich in ihrer Freizeit noch auf dem Schulhof aufhalten, nicht überwacht fühlen dürfen: „Wir müssen stets abwägen zwischen dem Überwachungsbedarf auf der einen Seite und dem Schutz der Privatsphäre der Menschen und der Integrität der Kinder auf der anderen Seite. Kinder müssen ungestört spielen können, man sollte sie nicht unnötig überwachen.“

Aber ist das ungestörte Spielen wirklich höher zu bewerten als der Schutz vor Einbruch und Zerstörung? Der Justizkanzler möchte erst abwarten und von der Notwendigkeit einer längeren Überwachungszeit überzeugt werden:

„Normalerweise geschehen die Verbrechen später am Abend und in der Nacht. Dann braucht man Kameraüberwachung. Sollte es sich zeigen, dass man sie auch zu anderen Zeiten tatsächlich braucht, dann werden wir zustimmen. Aber hier ist das nicht der Fall.“

Bis die Überwachungszeiten möglicherweise verlängert werden, muss also erst ein Einbruch bei ausgeschalteter Kamera geschehen.

Clarissa Blomqvist

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