Gesellschaft

Schweden vermissen Maßnahmen gegen Diskriminierung

Schweden hat eine liberale Gesellschaftsordnung, in der sich theoretisch alle Bürger frei entfalten können. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage meinen neun von zehn Bürgern, dass nicht genug gegen das vielschichtige Problem Diskriminierung getan wird.

In Schweden gibt es seit geraumer Zeit Einrichtungen mit der Bezeichnung Anti-Diskriminierungsbüro. Bürger, die sich in irgendeiner Form diskriminiert fühlen, können dort Rat suchen. Eines dieser landesweit 20 Büros findet sich im nordschwedischen Umeå. Der dortige Chef, Jabar Amin, ist Soziologe mit Migrationshintergrund. Er befasst sich seit Jahren mit allen Bereichen von Diskriminierung. Um das Problem besser zu beleuchten, ließ Amin das Statistische Zentralamt die Bevölkerung zum Thema Diskriminierung befragen. Das Ergebnis hat Aufsehen erregt: 90 Prozent der Angesprochenen fanden, dass sexuelle und ethnische Diskriminierung in Schweden an der Tagesordnung ist. Und drei von vier Befragten vermissen Maßnahmen zur Lösung des Problems.

Jabar Amin sieht die Ergebnisse als Ansporn zu entschlossenem Handeln:

„Es ist sehr positiv, dass das Problem so vielen bewusst ist. Das verbessert die Möglichkeiten, etwas gegen Diskriminierung zu tun. Andererseits glaubt ein großer Teil der Befragten, dass Parlament und Regierung nicht genug gegen Diskriminierung vorgehen. Deshalb müssen wir mit mehr Nachdruck fordern, dass man wirksam gegen die verschiedenen Formen von Diskriminierung angeht.“

Die bestehenden Gesetze reichen nach Amins Ansicht nicht aus, um das Problem Diskriminierung zu lösen. Er fordert ergänzende Schritte der Medien, der Behörden und des privaten Sektors:

„Es ist wichtig, dass man das Problembewusstsein umsetzt, indem man wirksamere Strategien gegen Dismkriminierung entwickelt. Dazu müssen wir Druck auf Regierung, Reichstag und Behörden ausüben. Gleichzeitig muss es mehr private Initiativen zur Lösung des Problems geben, denn schließlich sind ziemlich viele Menschen von Diskriminierung betroffen.“

Diskriminierung ist kein typisch schwedisches Problem. Fast überall auf der Welt werden Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens, oder einfach weil sie Frauen sind, diskriminiert – sei es im Arbeitsleben oder bei der Wohnungssuche. Entscheidend ist, wie man mit der negativen Erscheinung umgeht.

Im liberalen Schweden gibt es deutlichen Handlungsbedarf.

Klaus Heilbronner

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