Sozialpolitik

Unterstützung für Schüler mit besonderen Bedürfnissen - mangelhaft

Der schwedische Wohlfahrtsstaat gilt seit langem als vorbildlich. Doch ist das Gesundheitssystem in letzter Zeit immer mehr in die Kritik geraten. Unter anderem wird in Frage gestellt, ob Schweden genug für Behinderte und Menschen mit besonderen Bedürfnissen tut. Jetzt hat die schwedische Schulbehörde Mängel bei der Betreuung von Schülern festgestellt, die besondere Unterstützung benötigen.

Etwa vierzig Prozent aller schwedischen Schüler erhalten zu irgendeinem Zeitpunkt während ihrer Schullaufbahn spezialpädagogische Unterstützung. Dennoch bleibt immer noch einer von fünf Schülern mit besonderen Bedürfnissen ohne Hilfe. Und für jeden vierten Schüler, der Sonderbetreuung erhält, gibt es keinen individuellen Arbeitsplan. Die schwedische Schulbehörde hat in ihrem Bericht gravierende Mängel bei der Betreuung der Schüler festgestellt, die ganz besonders auf Unterstützung angewiesen sind, wie etwa Kinder mit Lernbehinderungen, Lese- und Schreibschwierigkeiten oder Entwicklungsstörungen wie Autismus oder Aspergers-Syndrom. Karolina Österlind hat den Bericht zusammengestellt:

„Wir können erkennen, dass viele Schüler besondere Unterstützung bekommen. Aber wir haben auch große Mängel festgestellt, wie diese Unterstützung erfolgt. Dies betrifft vor allem das Feststellen, welche Art von Förderung notwendig ist und das anschließende Überprüfen der erfolgten Maßnahmen. Die Folge ist, dass die Unterstützung, die die Schüler erhalten, nicht immer ihren wirklichen Bedürfnissen entspricht.”

Mehr integrativer Unterricht gefordert

Nicht die Bedürfnisse der Schüler, sondern die an den Schulen zur Verfügung stehenden Mittel entscheiden oft darüber, welche Maßnahmen getroffen werden, so die Schulbehörde. Vielen Schulen mangele es an den Ressourcen, auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen. Ideale Lernbedingungen für alle zu schaffen ist keine leichte Aufgabe für die schwedischen Regelschulen, die sich Integration auf die Fahnen geschrieben haben.

Das schwedische Schulsystem sieht vor, dass alle Kinder so weit es geht gemeinsam zur Schule gehen. Schüler mit besonderen Bedürfnissen nehmen am normalen Schulunterricht teil, erhalten aber zusätzlich sonderpädagogische Betreuung. Dieses Konzept ist nicht immer zum Besten der hilfebedürftigen Schüler, meint Karolina Österlind:

„Wir haben festgestellt, dass die Unterstützung für Schüler mit Lese- und Schreibschwierigkeiten oft außerhalb der Klasse erfolgt. Dabei werden andere Themen behandelt als mit den anderen Schülern in der Klasse. Das hat zur Folge, dass die Schüler oft im normalen Stoff hinter ihren Mitschülern zurückbleiben. Gerade den älteren Schülern bleibt deshalb oft weniger Zeit für Aufgaben, die relevant sind für die Notenvergabe.”

Damit sich zum Beispiel Lese- und Schreibschwierigkeiten wie Legasthenie nicht unnötig ausweiten und zu Schwierigkeiten in anderen Fächern führen, müssen sie frühstmöglich erkannt und angemessen behandelt werden. Dabei kommt es vor allem auf die Kompetenz der Lehrer an. Aber auch was die Ausbildung des Personals angeht, hat die Schulbehörde Mängel festgestellt:

„Lehrer sagen selbst, dass sie recht leicht erkennen, welche Schüler besondere Unterstützung benötigen. Viele von ihnen sagen aber auch, dass sie nicht über die nötige Kompetenz verfügen, diesen Schülern zu helfen.”

Auch von den rund 10.000 Assistenten, die an schwedischen Schulen eingesetzt sind und Schülern mit besonderen Bedürfnissen helfen sollen, haben die meisten keine angemessene Ausbildung. Wie der Schwedische Rundfunk herausgefunden hat, verfügt nur einer von vieren über eine höhere Ausbildung als den Gymnasialabschluss. Die Behindertenverbände haben bereits Alarm geschlagen. Sie fordern jetzt landesweite Richtlinien, die das Ausbildungsniveau für eine so schwierige wie wichtige Aufgabe festlegen sollen.

Clarissa Blomqvist

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