Der Streik ist beendet
TARIFKONFLIKT

Streik der Krankenschwestern beendet - Lage in Krankenhäusern angespannt

Der knapp sechs Wochen währende Streik der Krankenschwestern ist beendet. Am Mittwochabend nahm der Sonderkongress der Gewerkschaft des Pflegepersonals das Angebot der Vermittler an. Zu den Posten auf der Plus-Seite gehört für die Streikenden die Durchsetzung eines Mindestlohns für ausgebildete Krankenschwestern. Allerdings wird dieser Mindestlohn nicht wie zunächst gefordert bei umgerechnet 2340 Euro pro Monat liegen, sondern hundert Euro darunter. Und statt 15 Prozent Lohnerhöhung in drei Jahren gibt es nur neun Prozent. Viele Krankenschwestern äuβerten denn auch Enttäuschung über den Ausgang des Arbeitskampfes. Unterdessen gilt es für die Krankenhäuser überall im Land, Versäumnisse aus den zurückliegenden Wochen nachzuholen.

Mehr als 13.000 Operationen und 35. 000 Untersuchungen waren wegen des Streiks eingestellt worden. Für diese Patienten müssen jetzt neue Termine gefunden werden - neben dem regulären medizinischen Betrieb.

“Das wird schwierig“, sagt Ing-Marie Bergbrandt, Chefärztin im Sahlgrenska Krankenhaus Göteborg. „Jetzt kommen ja auch Urlaubszeiten. Wir tun alles, um so viele Operationen wie möglich durchzuführen. Aber erst im Herbst werden wir wohl einen vollständigen Überblick über die Konsequenzen des Streiks haben.“ Es sei zu befürchten, dass das Krankenhaus die so genannte Behandlungsgarantie in den kommenden Monaten nicht gewährleisten könne.

Das System der Behandlungsgarantie gilt in Schweden seit 2005. Jeder Kranke hat demnach das Recht, innerhalb von sieben Tagen einen Arzt zu treffen und innerhalb von drei Monaten einen Spezialisten. Wegen dieser langen Wartezeiten bemühen sich schon jetzt schwerkranke Schweden häufig um die Behandlung in einem anderen EU-Land. Der Streik dürfte nun die Warteschlangen überall im Land weiter drastisch verlängern. Im Sahlgrenska Krankenhaus sind zwischen ein- und zweihundert Operationen eingestellt worden, vor allem im orthopädischen Bereich. Nun also versucht das Personal, so viel wie möglich nachzuholen.

“Was mich am meisten beunruhigt, das sind die möglichen medizinischen Konsequenzen“, sagt Chefärztin Ing-Marie Bergbrandt.

Für die Stockholmer Krankenhäuser fehlt ein genauer Überblick über die Zahl von Patienten, die jetzt auf Untersuchungen und Operationen warten. Ein groβes Problem: Sämtliche Röntgenabteilungen waren vom Streik betroffen.
“Viele Röntgenuntersuchungen sind verschoben worden, und daraus ergibt sich eine Menge Planungsarbeit“, sagt Eva Tillmann, Chefärztin am Söder-Krankenhaus. „Wir müssen uns die Einschätzungen der überweisenden Ärzte genau anschauen und daraufhin entscheiden, in welcher Reihenfolge wir die Untersuchungen machen, was sehr wichtig ist und was vielleicht noch warten kann. Leider haben wir inzwischen sehr lange Warteschlangen.“

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