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Hitler-Biographie

Vom Monster und Menschen: die private Seite des Diktators

Er liebte Schokokuchen, hatte chronische Magenbeschwerden und sah sich gerne „King Kong” an. Die Rede ist von einem der größten Massenmörder aller Zeiten: Adolf Hitler. Die Details aus Hitlers Privatleben sind nun auf Schwedisch nachzulesen - in der ersten schwedischen Hitlerbiographie seit über 30 Jahren. Der Autor Bengt Liljegren ist Historiker und hat schon mit Biographien über den Kriegerkönig Karl XII. und über Alexander den Großen auf sich aufmerksam gemacht. Doch warum nun Hitler und warum so privat, erklärt der Autor im Gespräch mit Radio Schweden.

Als Historiker hat Bengt Liljegren sie natürlich alle gelesen: Die Standardwerke von Alan Bullock und Ian Kershaw über Sebastian Haffner bis zu Joachim Fest. Doch diesen Werken ist eines gemein, wie Liljegren gleich in seinem Vorwort deutlich macht: Für das Privatleben des Diktators und Massenmörders haben sie nichts übrig. Ein Manko, findet der Autor der jüngsten Hitler-Biographie:

„Für mich ist Hitler eine Doppelnatur wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Ein Januskopf mit einer grausamen, mitleidlosen und gefühlskalten Seite, und dann einer fürsorglichen Seite, wenn es um die Privatperson Hitler geht. Er war zum Beispiel in Gesellschaft von Damen überaus höflich und zuvorkommend. Die private Seite Hitlers zu zeigen ist wichtig, weil man sonst das deutsche Volk nicht verstehen kann.”

Will die Deutschen und ihre Führertreue verstehen

Die Deutschen hätten Hitler schließlich nicht zu ihrem Führer gemacht, weil er versprach, Deutschland in den Krieg zu stürzen und sechs Millionen Juden bestialisch umzubringen, betont Liljegren. Der Historiker ist davon überzeugt, dass die Deutschen das Positive an Hitler sahen - sonst wären sie ihm nicht so weit gefolgt. Welche anderen Ursachen es für die vermeintliche Führertreue kurz vor Kriegsende möglicherweise noch gab, spielt in Liljegrens Biographie keine Rolle.

„Da ist zum einen die Nazi-Propaganda, die den Führer als unfehlbar darstellt, und dann haben wir das Monster-Bild nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe die Biographie geschrieben, weil ich mir dachte: So einfach wie diese Entweder-Oder-Aufteilung kann es nicht sein. Es muss etwas dazwischen sein. Wie soll man sonst das Verhalten der Deutschen erklären?”

Dass nun aber gerade das Wissen um Hitlers Vorliebe für süßen Kuchen mit Sahne oder um seine Zuneigung zu Blondi, dem Schäferhund, dabei hilft, die Deutschen und ihren damaligen Führerkult zu verstehen, ist fraglich. Sicher bezieht Liljegren auch den rasanten Niedergang der Arbeitslosenzahlen mit ein, das Ankurbeln der Wirtschaft, sowie Hitlers Aufbäumen gegen den Versailler Vertrag. Trotzdem: Besonders in der deutschen Diskussion dürfte der Ansatz, in Hitlers Privatleben und Psyche zu stöbern, als flach und auch unangemessen gelten.

”Hitler als Mensch zu zeigen, ist Teil der Wahrheit”

Man erinnere sich an die Debatte im Zuge des Eichinger-Films „Der Untergang”: Die klaustrophobischen letzten Tage des Führers im Berliner Bunker, die Welt liegt in Trümmern, Hitler glaubt weiter an den Endsieg. Bruno Ganz gab dem Wahnsinn eine Gestalt und dürfte so das Bild von Hitler nachhaltig geprägt haben. Und wozu das alles, fragten sich viele. Was bringt einem der Blick ins Herz des Bösen?

„Ich möchte Hitler entdämonisieren”, erklärt Historiker Bengt Liljegren, der mit seiner Biographie ebenfalls der Person Hitler auf der Spur ist. „Dabei will ich Hitler keinesfalls positiver darstellen, als er war, aber doch als Mensch. Ich halte es für gefährlich, ihn als Monster zu zeigen, denn dann zieht man leicht den Schluss: Ach, der war doch verrückt - was er ja nicht war! Als Historiker ist man außerdem verpflichtet, die Wahrheit ans Licht zu ziehen. Wenn man nur das Monsterbild stehen lässt, ist es dasselbe, wie vor der Wahrheit zurückzuschrecken.”

Die noch heute andauernde Forschung unter der Rubrik „Vergangenheitsbewältigung” zeigt, dass der Diskurs sicher nicht am Bild Hitlers als Monster verharrt. Vielleicht ist es die deutsche Sicht, die ein populistisches Interesse an Hitlers Vorlieben und Wesenszügen geradezu verbietet. Doch auch Dick Harrison, selbst angesehener Historiker in Schweden, ist in seiner Kritik im „Svenska Dagbladet” skeptisch. Die 400 Seiten lange Zusammenstellung erkläre nichts, nicht alle Information sei relevant, aus „Hitler” werde „Adolf”, die Entdämonisierung ginge ihm zu weit.

Verkaufszahlen sprechen eigene Sprache

Die historisch interessierten schwedischen Leser stört dies alles nicht - oder so wollen sie sich selbst ein Bild machen. Die erste Auflage von 12.000 Exemplaren jedenfalls ist nahezu ausverkauft, die zweite Auflage schon im Druck.

Wie kürzlich in der Wochenzeitung „Die Zeit” zu lesen stand: Egal, ob man nun hervorragend oder auch abgrundtief schlecht über Hitler schriebe, ein Flop jedenfalls könne es garantiert nicht werden. Autor Liljegren kommentierte das in Gespräch mit Radio Schweden trocken mit: „Na, das klingt doch erfreulich.”

Liv Heidbüchel

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