Reisen

Gewinn für Reisende und Umwelt: Zugcharter feiert Erfolge

Chartertouristen treten in groβen Gruppen auf und bewegen sich in ebenso groβen Flugzeugen zum Reiseziel: Dies das herkömmliche Bild beim Stichwort „Charter”. Inzwischen ist dieses Bild in Schweden aber ergänzungsbedürftig. Nun gibt es auch den Charter per Zug. Das Experiment startete im vergangen Sommer - und kann schon jetzt als äuβerst geglückt bezeichnet werden.

Die Reisegesellschaft „Fritidsresor”, „Freizeitreisen”, gehört zu den gröβten Reisearrangeuren in Skandinavien, mit einem breiten Angebot an Charterflügen. Jahr für Jahr befördern Riesen-Jets Tausende sonnenhungrige Nordländer an die Küsten Thailands und der Kanaren oder ans Mittelmeer - und tragen somit massiv zur Verschmutzung der Umwelt bei.

Die Idee, Charter per Zug zu starten, entsprang denn bei „Fritidsresor” zunächst dem Wunsch, in Sachen Klimaschutz zur Abwechslung auch mal Positiv-Schlagzeilen zu machen. Doch was würden die Kunden zu der gut gemeinten Idee sagen? Würden sie sich gelangweilt abwenden? Im März 2007 startete man den ersten Versuch, mit dem Angebot einer Charter-Zugreise vom südschwedischen Malmö zum italienischen Verona.

Vorsichtiger Start

„Wir hofften, insgesamt 200 Plätze verkaufen zu können”, erinnert sich Peter Hellström von „Fritidsresor”. „Aber schon nach zwei, drei Tagen waren sämtliche Tickets ausverkauft. Die Nachfrage war entschieden gröβer als erwartet, und wir waren total überrascht. Insgesamt verkauften wir dann im vergangenen Sommer 800 Tickets. In diesem Sommer sind es schon jetzt 4000.”

Weitere 3000 Tickets für Sommer und Herbst dieses Jahres hat man noch auf Lager, und Peter Hellström ist überzeugt, sie ebenfalls an den Mann und die Frau bringen zu können. Ganz besonders begehrt auch in diesem Jahr ist der „Knüller” von 2007, eine Reise zum italienischen Gardasee. Nach dem abendlichen Start in Malmö, dem Umsteigen in Berlin und zwei weiteren Zugwechseln treffen die Reisenden am Abend des Folgetages in Verona ein. Dort warten eine Woche Erholung in einem der Badeorte am Gardasee und je nach Lust und Laune Shopping, Sightseeing oder Kulturgenuss in Verona und den nahe gelegenen Städten Venedig und Mailand.

„Aber natürlich arbeiten wir ständig daran, den Gästen neue Ziele anzubieten”, sagt Peter Hellström. „Das Allerneueste ist eine Kombination aus Bahnreise und Kreuzfahrt. Die Gäste fahren in Schweden mit dem Zug ab, durchqueren Deutschland bis hin nach Passau. Dort wechselt man dann auf ein Schiff und fährt die Donau entlang, durch Österreich, die Slowakei und Ungarn.”

Frankreich für Feinschmecker

Ebenfalls auf groβes Interesse ist eine weitere Premiere gestoβen: eine Rundreise durch das Elsaβ und die Champagne in Frankreich, bei der Feinschmecker diverse Weingüter besuchen und natürlich so manch edlen Tropfen probieren können. Die Zug-Charterreisenden können dazu für sich das angenehme Gefühl in Anspruch nehmen, in Sachen Klimaschutz genau richtig zu liegen. Doch das gute Gewissen allein macht natürlich den Urlaubs-Kohl nicht fett.

Was die Gäste am Zugcharter besonders lobten, sei das geruhsame Tempo, sagt Peter Hellström, die Möglichkeit, den Weg zum Urlaubsziel ganz bewusst als Teil der Reise wahrzunehmen. Und nicht zuletzt komme man jenen schätzungsweise zehn Prozent aller Schweden entgegen, die in der einen oder anderen Form an Flugangst leiden. Hier will das Reiseunternehmen noch gezielter Werbung betreiben. Und was kostet der Spaβ?

Schlieβlich sind es oft nicht zuletzt die hohen Preise, die Reisende zum Flugticket greifen lassen statt zur Zugfahrkarte. ”Da wir einen Paketpreis anbieten - enthalten sind also Transport, Unterbringung am Zielort und der gesamte Servive -, können wir Preise anbieten, die nur wenig über dem Preis für traditionelle Charterreisen liegen”, sagt Peter Hellström. „Eine Woche Aufenthalt inklusive Reise ist ab umgerechnet 430 Euro zu haben, je nach gewünschtem Service oder Hotelstandard variiert das.”

Anne Rentzsch