Klimaschutz

Tällberg-Forum will Politiker wachrütteln

Was müssen wir Menschen tun, um mit der Natur im Einklang leben zu können? Das ist die zentrale Frage der diesjährigen Tagung des Tällberg-Forums am idyllischen Siljasee in der Provinz Dalarna. Mehr als 400 Klimaforscher, Politiker und Industriemanager beraten bis zum Wochenende darüber, ob und wie das drohende Klima-Desaster noch vermieden werden kann.

Dass sich das Klima weltweit ändert, ist fast täglich in irgendeiner Form zu spüren. Und dass es höchste Zeit ist, die von Menschen verursachten Störungen von Natur und Umwelt durch klare politische Entscheidungen drastisch zu verringern, gilt bei den meisten Forschern als unstrittig. Doch was geschieht?

Nach Ansicht der schwedischen Tällberg-Stiftung jedenfalls tun die verantwortlichen Politiker nicht genug für eine umweltfreundliche Trendwende. Zwar soll im nächsten Jahr in Kopenhagen eine neue Welt-Klimakonferenz stattfinden, aber Bo Ekman, der Vorsitzende der Tällberg-Stiftung, setzt keine großen Erwartungen in das Treffen:

„Es gibt allen Anlass zu der Befürchtung, dass der Kopenhagen-Gipfel nicht zu den Vereinbarungen führen wird, die wir brauchen, um das Klimaproblem zu lösen.“

Deshalb bemüht sich die vor 28 Jahren von Ekman gegründete Tällberg-Stiftung darum, Entscheidungsträger zu mobilisieren, die es in der Hand haben, weitere Schädigungen von Klima und Umwelt zu verhindern. Unter den Gästen des Tällberg-Forums ist auch der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan. Der Friedens-Nobelpreisträger von 2001 leitet heute die Hilfsorganisation Global Humanitarian Fund. Ihm traut man zu, dass er für einen besseren Klimaschutz Hebel in Bewegung setzen kann. Und das muss bald geschehen, findet auch Johan Rockström, der Chef des Stockholmer Umwelt-Instituts, denn:

„Die Menschheit befindet sich in einer neuen Lage: Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Situation viel schlimmer ist, als wir geglaubt haben. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann können wir katastrophale Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen nicht ausschließen.“

Der Klimaforscher verweist darauf, dass ungeachtet aller Warnungen der Ausstoß von Kohlendioxid in die Atmosphäre weiter steigt, nämlich um drei Prozent jährlich. Rockström hofft, dass die Tällberg-Konferenz angesichts solcher Tatsachen konkrete Denkanstöße geben und die Politiker weltweit wachrütteln wird. Und er mahnt zur Eile:

„Jetzt sind radikale Maßnahmen notwendig. Zu allererst brauchen wir sofort einen Zeitplan für die Abkehr von fossilen Brennstoffen, also vor allem von der Verwendung von Öl für Energie und Transport. Das bedingt eine totale Umstellung der Gesellschaft.“

Gastgeber Bo Ekman ist genau dieser Ansicht. Aber er ist auch Realist und nennt das Hauptproblem beim Namen:

„Die Gefahr besteht darin, dass die Politik von heute auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen von gestern fußt. Wir müssen den Abstand zwischen neuen Forschungsergebnissen und politischen Handlungen verkürzen.“

Immer neue alarmierende Erkenntnisse der Wissenschaftler gebieten rasche umweltpolitische Entscheidungen. Aber der nächste Klimagipfel findet trotzdem erst im nächsten Jahr statt.

Und zwar im Dezember.

Klaus Heilbronner