TOURISMUS

Schweden lockt Wintersportler

Schwedens Tourismus-Branche frohlockt: In diesem Sommer geht Stockholm offenbar dem absoluten Besucher-Rekord entgegen, allein im Juni beliefen sich die Einnahmen aus dem Tourismus auf umgerechnet knapp 1,2 Milliarden Euro.
Doch keineswegs nur die Hauptstadt und nicht nur die warme Jahreszeit locken Besucher nach Schweden. In den nördlichen Regionen des Landes nimmt man schon jetzt zielstrebig Kurs auf einen hoffentlich schneereichen Winter. Skifahren in Schweden ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden, nicht zuletzt bei ausländischen Besuchern. Um diesen Trend noch zu verstärken, hat die Branche mit Blick auf die kommende Saison kräftig investiert.

Um einigermaßen auf der schnee-sicheren Seite zu sein, musste sich der Wintersportler im vergangenen Winter in die nördlicheren schwedischen Gefilde begeben: In den südlichen und mittleren Landesteilen glänzte Schnee ebenso wie im übrigen Europa größtenteils durch Abwesenheit. Hauptsächlich im Norden wollen die Betreiber der Skianlagen nun vor und innerhalb der kommenden Saison zwischen November und Mai kräftig investieren. Insgesamt lässt man sich die Aufrüstung der Wintersportstätten umgerechnet an die 100 Millionen Euro kosten. Das berichtet Hans Gerremo, Chef von SLAO, dem Verband der Liftbetreiber, im Gespräch mit Radio Schweden:

„Vor allem in Värmland und nördlich von Värmland, in Dalarna, Jämtland und Härjedalen werden wir investieren, aber auch in Västerbotten und in Lappland. Die Gelder fließen zum einen in Schneekanonen, in Lifte und Abfahrten, aber auch in Infrastruktur und Übernachtungsmöglichkeiten. Letzteres, also Wohnen und Infrastruktur, steht für insgesamt zwei Drittel der Ausgaben, ein Drittel betrifft die reinen Skianlagen.“

Besucherzahl gestiegen

Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen aus dem Verkauf von Skipässen landesweit bei umgerechnet stolzen 100 Millionen Euro, ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zu 2006. Damit dieser Trend anhält, ist es mit der Aufrüstung der Sportanlagen nicht getan, erklärt Hans Gerremo. Nötig sind zum Beispiel auch Übernachtungsmöglichkeiten; und der Ski-Fan, der auf sich hält, hat da inzwischen hohe Ansprüche. Bequemlichkeiten wie Sauna und Internet-Anschluss gehören vielfach dazu. Ferienwohnungen mit bis zu zehn Betten, Wohnungen also, die sich mehrere Familien teilen können, gingen in den letzten Jahren weg wie warme Semmeln. Deshalb werden jetzt vor allem solche Wohnungen neu gebaut, aber auch bei den Hotelplätzen legt man nach. Und man sorgt dafür, dass der geneigte Besucher auch über das reine Skierlebnis hinaus in Sachen Unterhaltung auf seine Kosten kommt.

“In Orsa-Grönklitt entsteht ein Eisbären-Park, einer der größten der Welt, mit einer Menge Eis und Schnee und natürlich den Eisbären als größter Attraktion. Die Anlage soll im Mai kommenden Jahres eingeweiht werden. In Lindvallen wird ein großes Multi-Erlebnis-Zentrum gebaut, es soll 2009 fertig werden. Neben diesen Attraktionen gehört zu den größten Projekten ein neuer Sechs-Sessel-Lift in Vemdalen, und Branäs konzentriert sich vor allem auf Skianlagen für Kinder. Man baut den Kinder-Bereich völlig um, unter anderem mit drei neuen Liftanlagen.“

Mit dem Ausbau der „Erlebnis-Industrie“ trägt man der steigenden Nachfrage eines großen Publikums Rechnung, mag aber möglicherweise jene Besucher vergrätzen, die im Skilauf in Schweden vor allem das ungestörte Naturerlebnis suchen. Doch Ruhe und Nähe zur Natur bleiben im Vergleich zum Skirummel im südlichen Europa weiterhin schwedische Markenzeichen, versichert Hans Gerremo. Den Anhängern winterlicher Stille ist neben der Abfahrt der Langlauf zu empfehlen, ein Sport, dem laut Untersuchungen immerhin dreißig Prozent aller Abfahrts-Skifahrer nebenher frönen. Dem Langlaufskiverleih und dem Unterhalt der Loipen hat man in den letzten Jahren ebenfalls mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Werbung im Ausland

Ein klarer Trend ist der wachsende Zustrom ausländischer Besucher. In Åre kommt nunmehr jeder vierte Wintersportler aus dem Ausland, berichtet Hans Gerremo:

“Traditionell verzeichnen wir einen großen Zustrom von Dänen, an die 300.000 Dänen kommen pro Saison, in die südlichen Landesteile wie auch in die Gebirge weiter nördlich. Auch Norweger fahren gern Ski in Schweden. In den vergangenen Jahren haben wir zumal in Jämtland und Åre einen Zuwachs von Touristen aus Osteuropa, vor allem aus Russland und dem Baltikum. In weitaus geringerer Zahl, aber doch mit steigender Tendenz, kommen Besucher aus den Niederlanden und aus Deutschland.“  

Kopfzerbrechen bereitet den Tourismus-Verantwortlichen allerdings noch die Frage, wie die Besucher zumal aus Ost- und Mitteleuropa ganz konkret den Weg nach Schweden und zu den Skianlagen in den vergleichsweise abgelegenen Landesteilen finden. Die Zugänglichkeit zu verbessern, sei eine ganz wichtige Aufgabe, betont Hans Gerremo. In den kommenden Jahren will man da in Zusammenarbeit mit „Visit Sweden“, dem Kommunikationsunternehmen, das Schweden zentral als Besuchsland im Ausland vermarktet, und mit verschiedenen Flugunternehmen Paket-Lösungen ausarbeiten. Als geglücktes Beispiel nennt Hans Gerremo Reisen nach Kiruna: Von dort aus können die Besucher Abstecher zum Eishotel in Jukkasjärvi unternehmen und sich in die Berge zum Wintersport begeben.

Anne Rentzsch

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