Karadzic-Reaktionen

Bildt begrüßt Karadzic-Ergreifung

Der schwedische Außenminister Carl Bildt hat die Festnahme des als Kriegsverbrecher gesuchten früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic begrüßt. Bildt hatte sich während des Bosnienkrieges als Vermittler der Europäischen Union um eine Beendigung der Feindseligkeiten bemüht.

Im Schwedischen Rundfunk sagte der Außenminister auf die Frage, wie er die Ergreifung von Karadzic im Bezug auf das Verhältnis Belgrads zur EU wertet:

„Klar positiv. Die neue serbische Regierung ist erst seit ein paar Tagen im Amt. Sie hat angekündigt, dass sie anders als ihre Vorgänger den europäischen Verpflichtungen nachkommen wird, und das hat man nun sehr früh und sehr deutlich gezeigt. Das ist ein sehr positives Signal.“

Der schwedische Außenminister erwartet, dass die Überstellung von Karadzic an den Haager UN-Gerichtshof zur Ahndung von Kriegsverbrechen ohne Probleme erfolgen kann:

„Ich glaube, dass man ihn rasch ausliefern wird. Man betrachtet ihn nicht als serbischen Staatsbürger, denn er ist ja Bosnier. Ich hoffe, dass der Prozess gegen ihn bald eröffnet wird und er zur Verantwortung gezogen wird. Das hätte vor zehn Jahren geschehen sollen. Der Prozess gegen Karadzic hätte sofort nach dem Ende des Bosnienkrieges beginnen müssen. Das geschieht nun jetzt erst. Spät, aber gut.“

Außer Karadzic steht noch der damalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, auf der Fahndungsliste des Haager Tribunals. Er konnte bisher nicht gefasst werden. Dazu Carl Bildt:

„Das bedeutet, dass gewisse Aufgaben noch nicht gelöst sind. Man wird sehen, ob diese Nuss genau so leicht geknackt werden kann wie im Fall Karadzic. Aber die neue Führung in Belgrad hat gezeigt, dass sie den Willen zum Handeln hat, und das allein ist von großer Bedeutung.“

Unter dem Kommando von Mladic hatten serbische Truppen im Juli 1995 die bosnische Stadt Srebrenica eingenommen und Tausende männlicher Muslime ermordet. Die damals nach Schweden geflüchtete Bosnierin Beguna Alic verlor bei dem Massaker ihren Sohn und andere Familienangehörige. Zur Festnahme von Karadzic sagte sie:

„Ich bin froh darüber, und ich habe das Gefühl, als ob all die Toten wieder leben würden. Aber es gibt keine gerechte Strafe für das Massaker, das Karadzic zu verantworten hat. Die wollten damals alles in Bosnien vernichten. Wenn sie gewusst hätten, dass wir Jahre später nach Srebrenica und Banja Luka zurückkehren konnten, hätten sie wahrscheinlich noch mehr Bosnier getötet.“   

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