Justiz

Gerichtsurteil empört Muslime

Der Urteilsspruch im Prozess um einen versuchten Mord hat bei islamischen Einwanderern in Schweden Empörung ausgelöst. Das Amtsgericht in Jönköping hatte in seiner Urteilsbegründung erklärt, der Mordversuch des Angeklagten an seiner Ehefrau sei auch auf dessen arabische Kultur und islamische Religion zurückzuführen.

Die Vorsitzende der shia-muslimischen Gemeinde in Jönköping, Masumbai Virani sagte gegenüber dem Schwedischen Rundfunk:

„Ich fühle mich natürlich stark in meiner Ehre verletzt. Wir Muslime stehen doch für ganz andere und viel bessere Dinge. Das Urteil bedeutet, dass alle Muslime mit Schmutz beworfen werden. Das schafft neue Vorurteile.“

Doch einer der Beisitzer, der an der Verurteilung des Arabers mitwirkte, gab eine klare Antwort auf die Frage, ob die Charakterisierung des Angeklagten und seines Motivs korrekt sei:

„Ja, er war durch seine Kultur und seine Religion in der Weise geprägt, dass er die Frau als untergeordnet ansieht.“

Kritik am Urteilsspruch kam vom Diskriminierungsombudsmann. Die Informationschefin der Behörde, Caroline Diab, sagte mahnend:

„Gerichte sollten sich vor Verallgemeinerungen hüten, die kriminelles Verhalten einer Person auf die ethnische Zugehörigkeit oder die Religion zurückführen.“  

Unumstritten war dagegen das Strafmaß des Gerichts: Für die versuchte Tötung seiner Ehefrau wurde der Einwanderer zu acht Jahren Haft und anschließender Abschiebung aus Schweden verurteilt.

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