Asylpolitik

UN-Flüchtlingsorganisation kritisiert schwedische Abschiebepraxis

Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR kritisiert die jüngsten Abschiebungen afghanischer Asylbewerber aus Schweden. Es sei nicht hinnehmbar, dass Asylbewerber, die keine Familienangehörigen in Afghanistan hätten, dorthin abgeschoben würden, schreibt die UNHCR in einem Brief an das Stockholmer Oberlandesgericht.

Im Sommer hatte das schwedische Oberlandesgericht, das seit 2006 für Einwanderungsfragen zuständig ist, beschlossen, afghanische Asylbewerber auch dann nach Kabul abzuschieben, wenn dies nicht ihre Heimat ist.

Hans ten Feld, der Vertreter der UNHCR in Skandinavien, bittet das Gericht, diesen Beschluss zurückzunehmen: ”In einer Stadt wie Kabul kann man ohne ein soziales Netzwerk und Familie nicht überleben”.

Kritik angekommen

Sten Wahlkvist, Vorsitzender des Stockholmer Gerichts, hat am Donnerstag angekündigt, die Kritik der UNHCR bei künftigen Entscheidungen zu berücksichtigen. Zur Zeit verhandele das Gericht die Abschiebung fünf weiterer afghanischer Staatsangehöriger.

”Die Kritik der UNHCR wird Teil der Prozessordnung, wir werden also die Argumente der UNHCR sehr genau abwägen”, sagte Wahlkvist auf Radio Schweden.

Das Stockholmer Oberlandesgericht ist seit 2006 für Asylprozesse zuständig. Derzeit warten in Schweden etwa 500 afghanische Asylberwerber auf ihre Abschiebung.

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