HILFE BEI UNFÄLLEN

Hilfsbereitschaft nimmt ab

Unfallopfer dürfen in Schweden selten auf die Hilfe ihrer Mitmenschen rechnen. Immer mehr Menschen, die Zeugen eines Unfalls werden und dies unter der Notrufnummer 112 mitteilen, passieren den Unfallplatz, ohne innezuhalten. Das berichtet der Schwedische Rundfunk.

Vielfach riefen Menschen an, ohne gesehen zu haben, was genau vorgefallen sei, sagte Erika Norin beim Notdienst SOS Alarm in Stockholm. Das Desinteresse der Anrufenden erschwere die Arbeit des Rettungsdienstes.

“Das kann sehr frustrierend sein, weil man nicht weiβ, welche Ressourcen gebraucht werden“, sagte sie. Rettungswagen träfen daraufhin unter- oder überbemannt ein oder würden unnötig angefordert.

Brian Palmer, Professor für Sozialanthropologie mit dem Spezialgebiet Zivilcourage, führte das Verhalten der Beobachter vor allem auf Zeitmangel zurück. Dies hätten mehrere schwedische Studien belegt. „Man wägt ab, wie wichtig es ist, pünktlich zur Arbeit zu kommen – und wenn es nach einer sehr schlimmen Situation aussieht, ruft man einfach den Notdienst und hofft, dass schnell jemand kommt“, sagte Palmer.

Anders als in Deutschland, wo unterlassene Hilfeleistung eine Straftat darstellt, existiert ein entsprechendes Gesetz in Schweden nicht. So ist es nicht strafbar, beispielsweise die Hilferufe eines Ertrinkenden zu ignorieren.

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