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Vater gesucht, aber nicht verzweifelt

TV-Serien räumen mit Bild der schwedischen Mutter auf

Publicerat tisdag 7 oktober 2008 kl 15.42
Allein erziehend und glücklich?

Die Rolle der allein erziehenden Frau ist in Schweden in Veränderung begriffen. Das zeigt sich nicht zuletzt im Programmangebot des Fernsehens. So läuft im privaten Kanal TV3 eine Serie zur Partnerfindung „Papa gesucht”, und in einer Serie des öffentlich rechtlichen Fernsehen zeigen Singlemuttis, wie stark und tüchtig sie ihr kompliziertes Alltagsleben meistern. Weit entfernt vom Klischee früherer Zeiten, von der verschmähten, bitteren, abgehärmten Alleinverdienerin, ist die moderne allein erziehende Mutter stark, selbständig und lebenslustig.

Wer in Schweden „Ensamma mamman” - „die einsame Mama” hört, denkt sogleich an die gleichnamigen Comics der Autorin und Illustratorin Cecilia Torudd, die humorvoll und messerscharf die kleinen Ärgernisse und großen Katastrophen im Alltag allein erziehender Frauen beschreiben. Mitte der Achtzigerjahre erschienen die ersten dieser kleinen Familiengeschichten.

„Ich fing mit diesen Geschichten an, als meine Kinder schon seit 15 Jahren aus dem Haus waren. Und das Bild der starken und fröhlichen allein stehenden Mutter darin war wichtig.”

Torudd spiegelte vor rund 25 Jahren eine wichtige Veränderung im Bild der allein stehenden Mutter. In ihren Comics hassen, lieben und nerven alle Familienmitglieder einander. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie befehdet die allein erziehende Mutter „Ensamma mamma” Krümel und Kabbeleien.

Dabei versucht sie, den Ansprüchen aller Familienmitglieder voller Situationskomik gerecht zu werden. Ob Tochter Mia ihr wieder mal die roten Schuhe stibitzt hat? Macht Sohn Beppe wirklich wie versprochen seine Hausaufgaben? Reicht das Haushaltsgeld nächste Woche? Und wie lange wird ihr Freund Lasse es wohl mit ihr aushalten?

Alleinerziehend, ja - aber nicht dröge

Cecilia Torudd wollte das übliche trübe Bild von der Familie mit einem einzigen Erziehungsberechtigten entschärfen. Die alte Verachtung gegenüber ledigen Müttern gab es allerdings schon lange nicht mehr, eine Reihe von Verordnungen und Gesetzen hatten ihre gesellschaftliche Position gestärkt. 1917 wurde in Schweden ein Gesetz erlassen, wonach in allen Geburtsurkunden auch der Name des Vaters angegeben werden musste. Die Erzeuger der Kinder konnten sich nicht mehr hinter der Formulierung „Vater unbekannt” verstecken. Aber bevor eine unverheiratete Frau mit Kind auch als ehrbare Frau galt, vergingen noch Jahrzehnte.

„Als meine Kinder Anfang der Sechziger geboren wurden, da war das immer noch so”, erinnert sich Cecilia Torudd. „Eine Frau, die ein uneheliches Kind bekam, war fast schon kriminell.”

Inzwischen sind die Comics der einsamen Mutter aus den Achtzigerjahren Allgemeingut, mit dem sich auch allein erziehende Väter identifizieren. Jetzt sind Fernsehserien dran. Die Sendung „Singlemuttis” spiegelt die Stärken und den Mut der Frauen und ihre Liebe zu den Kinder wider. Die Frauen sind jung, attraktiv und trotz ihres anstrengenden Alltags voller Energie und Lebenslust. Wie es sich gehört, lässt Mutti ihr Kleinkind geduldig beim Saubermachen mitspielen.

Medienforscherin Anja Hirdman bezeichnet diese Serie als zeittypisch:

„Die allein erziehende Mutter als Medienmensch ist entdeckt. Allerdings mit einer neuen Perspektive: Heute spricht man nicht mehr über die sozialen und finanziellen Probleme dieser Frauen, obgleich es die selbstverständlich noch immer gibt. Manchmal verringert man die Schwierigkeiten zu sehr und betont die starke individuelle Persönlichkeit. Auch das ist ein Zeichen der Zeit.”

Bei Medien gefragt: die fröhliche Supermama 

Ein Ausschnitt aus der Fernsehserie „Singlemammor”, in dem die Schlüsselwörter ‚positiv, ‚optimistisch’ und ‚stark’ fleißig benutzt werden. In Schweden gibt es ungefähr 250.000 Familien mit einem einzigen Erziehungsberechtigten. In 80 Prozent der Fälle ist das die Mutter.

Helene Sigfridsson ist Vorsitzende des Vereins „Makalösa föräldrar”, einer Organisation mit dem Ziel, die Position von Alleinerziehenden in der Gesellschaft zu stärken. Dass sich ein neues Medienbild entwickelt hat, findet sie grundsätzlich positiv. Aber sie hat auch Einwände:

„Das Pendel schlägt jetzt in die andere Richtung aus. In diesen Fernsehserien ist wichtig, dass alles fröhlich und einfach gehandhabt wird. Von Schwierigkeiten ist da kaum mehr die Rede.”

Statistisch betrachtet sieht die Situation allein stehender Erziehungsberechtigter düsterer aus:

- Die Hälfte aller allein erziehenden Mütter hat keine finanziellen Reserven und könnte bei Bedarf innerhalb einer Woche keine 1.400 Euro zusammenbekommen. Bei anderen Familienformen trifft das nur auf 15 Prozent zu.

- Allein erziehende Mütter verzichten häufig auf notwendige medizinische Behandlungen.

- Und 40 Prozent haben nach eigenen Angaben Schlafschwierigkeiten.

Bürgerliche Regierung macht Kernfamilien-Politik

Trotz des positiven Bildes der Fernseh-Singelmutti scheint sich die Zukunft der allein erziehenden Frauen in der Realität nicht einfacher zu gestalten. Die jüngsten sozialen Reformen der bürgerlichen Koalitionsregierung sind voll und ganz auf die Kernfamilie ausgerichtet, allein stehende Eltern können sie nicht nutzen.

Helen Sigfridsson weiβ, dass viele Alleinerziehende im Service- und Pflegebereich mit wechselnden Arbeitszeiten tätig sind: „Mehr Eltern sollten bei der Kommunalverwaltung mit der Faust auf den Tisch hauen und verlangen, dass die Kindergärten auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten geöffnet halten. Das Recht dazu haben sie, aber allein erziehende Mütter stellen selten Forderungen. Sie wollen beweisen, was sie können und um alles in der Welt nicht hilflos erscheinen. Ich glaube, viele übertreiben dabei. Um zu zeigen, wie gut sie alleine mit der Erziehung zurechtkommen, kutschieren sie die Kinder der Nachbarschaft öfter zum Training als alle anderen Eltern. Sie wollen sich nichts nachsagen lassen und zeigen, dass sie alles voll im Griff haben.”

Studien belegen zwar, dass einige allein erziehende Mütter ständig Mangel leiden. Aber andere sind mit ihrem Dasein wiederum recht zufrieden. Die wenigsten betrachten sich selbst als schwache „Loser”. An dieser Perspektive haben die Comics von Cecilia Torudd vermutlich einen beträchtlichen Anteil.

„Als ich die „Einsame Mama” erfand, wollte ich den Status von Alleinerziehenden verbessern und eine witzige Person schaffen, die alle mögen und lustig finden. Die Leser sollten den Eindruck bekommen, dass allein erziehende Mütter so sind.”

Für manche war die Serie ganz offenkundig ein Vorbild. Das beweisen auch die aktuellen Fernsehporträts der allein erziehenden Frauen.

Sybille Neveling

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