Lebensmittelbranche

Regionale Branche mit Exportfaktor: Österlen produziert 90 Prozent aller Äpfel in Schweden

Die Region Österlen ist nicht nur für Touristen wunderschön gelegen, das mildet Meeresklima dient noch einer anderen Branche: dem Apfelanbau. 90 Prozent der schwedischen Äpfel kommen aus der Region, das macht 12.000 Tonnen. Der Umsatz liegt bei umgerechnet 30 Millionen Euro. Alljährlich kommt die Branche auf dem traditionellen Apfelmarkt von Kivik zusammen, der auch Besucher aus aller Welt anzieht.

Tuttika Sen hat einen rot-grünen Apfel der überaus populären Sorte Ingrid Marie in die Hand genommen und presst ihn mit Körpereinsatz auf einen Nagel. Die kleine kräftige Frau steht auf einem Gerüst vor der gewaltigen Apfeltafel von Kivik. 100 Quadratmeter ist dieses Gemälde aus rund 30 000 Äpfeln groß. Das ungewöhnliche Bio-Kunstwerk zeigt die Fruchtgöttin Pomona in lasziver Pose.

”Jeder Apfel hat eine eigene Größe, Farbe und Konsistenz. Und jeder Apfel verhält sich anders. Im Moment bin ich gerade dabei, den Arm der Göttin und einen Teil einer Hand zu gestalten. Ich folge den Linien in der Hand. Da haben wir die rundliche und gelbgrüne Sorte Signe Tillisch gewählt.”

Die Apfeltafel von Kivik hat ihren Zweck erfüllt. Sie hat die Region Österlen nicht nur als Apfelland auf die Landkarte gesetzt. Der alljährliche Apfelmarkt, auf dem sie enthüllt wird, zahlt sich auch für die lokalen Hersteller und nicht zuletzt die Tourismusindustrie aus. 20.000 Besucher strömen im Herbst zum Markt, auf dem vom Dekorations-Apfel aus Keramik bis zur Apfelschälmaschine alles nur Erdenkliche zum Thema feilgeboten wird.

Auch Ingela Jönsson hat alle Hände voll zu tun. Die Fruchtsäfte von Kiviks Mosterei sind gefragt: ”In diesem Jahr findet der Markt zum 21. Mal statt und das Interesse ist ungebrochen. Das schafft Arbeitsplätze. Und es kommen immer mehr Besucher und Händler. Damit alle dabei sein können, mussten wir jetzt an den Hafen umziehen.”

Die Süßen werden zu Cider

Rund ein Fünftel der Ernte wird industriell zu Apfelmus, Fruchtsäften oder alkoholhaltigen Cider weiter verarbeitet. Mit Äpfeln und Birnen ist es wie beim Wein, lacht Jönsson. Es gibt gute und schlechte Jahrgänge.

”Es kommt auf die Äpfel an, die wir benutzen. Es gibt frühe und späte Äpfel. Sie reifen unterschiedlich. Frühentwickler sind etwas saurer. Ein Apfel, der lange gereift ist, wird süßer. Cider kann gar nicht süß genug sein. In unseren Produkten stecken rund zwei Prozent Alkohol. Dann haben wir auch Cider mit sieben Prozent, aber den darf ich hier nicht verkaufen. Dazu muss man in die staatlichen Alkoholläden Systembolaget gehen.”

90 Prozent der in Schweden produzierten Äpfel kommen aus Schonen, der größte Teil aus Österlen. Rund 12.000 Tonnen der kleinen herzhaften Äpfel werden in der Saison geerntet. 300 Produzenten gibt es in Südschweden. Die Branche setzt rund 300 Millionen Kronen um.

„Wunderbar. Schmeckt ganz anders, als die Äpfel, die wir zuhause haben”, meint Anna Bengtsson, die extra aus Stockholm angereist ist. „Ich finde, ein guter Apfel muss saftig sein, nicht zu süß und nicht zu sauer.”

Jörgen Andersson grinst übers ganze Gesicht. Wie die allermeisten seiner Kollegen setzt er auf Aroma-Äpfel und Ingrid Marie, die beiden meist verbreiteten Sorten.

Freundliches Klima begünstigt die Ernte

Aber auch neue Aromen werden in Österlen populär, wie zum Beispiel Mutsu, Gloster und Kim. Und warum gedeihen die Äpfel hier so gut, Bauer Andersson? 

”Das hat mit dem Klima zu tun. Die Meereslage an der Hänobucht sorgt für einen milden Herbst mit vielen Sonnenstunden. Das ist gut für das Aroma.” Allerdings haben ihn die Naturgewalten in diesem Jahr arg gebeutelt: ”Sturm und Hagel haben uns die Ernte versaut. Und ich bin kaum versichert gegen die Ausfälle. 500 Tonnen Äpfel haben wir von den Bäumen geholt.”

Ohne Hagel wären es noch weit mehr geworden.

Schon lange bevor sich die Obstplantagen im Mai und Juni in ein Meer aus weiß-rosa Blüten verwandeln, stellt Andersson die Weichen. Die Frucht bildet sich bereits ein Jahr vor der Ernte und entwickelt sich den ganzen Winter hindurch. Die Obstbauern beschneiden die Bäume, setzen Nährstoffe zu.

Auch ohne Öko-Siegel gesund

Das Ziel sind besonders robuste, dünnschalige Äpfel, die mit möglichst wenigen Pestiziden auskommen. Rein biologischer Anbau wäre ein weiteres Verkaufsargument für Obst aus heimischer Produktion. Doch bislang scheuen sich die Bauern auf Pestizide gegen die gefürchteten Schadinsekten und Pilze zu verzichten. Gerade einmal 30 von 12.000 Tonnen der diesjährigen Ernte wurden ökologisch korrekt angebaut.

Auch Tuttika Sen hat die letzten Wochen in Wind und Wetter verbracht und Zehntausende Äpfel auf die Tafel platziert. Ein Knochenjob. Kann Sie das Obst überhaupt noch riechen?

”Man macht sich so seine Gedanken, was wir alles zu uns nehmen. Man denke nur an die Transfette und das ganze Gift! Und der Apfel ist gesund. Ich sage immer: An apple a day keeps the doctor away!”

Alexander Budde

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