Wirtschaft

50 Jahre Ikea

Ikea, eines der Flaggschiffe der schwedischen Wirtschaft, feiert ein halbes Jahrhundert. Im Oktober 1958 öffnete das erste „unmögliche Möbelhaus“ im südschwedischen Älmhult seine Pforten. Heute hat der Ikea-Konzern 285 Einrichtungshäuser in 24 Ländern. Damals änderte Unternehmensgründer, Ingvar Kamprad, das Konzept vom Versandhaus zur Möbelshow.

Dag Severin war einer der allerersten Mitarbeiter, damals war er 14 Jahre alt: „Im zweiten Stock wurden die Möbel in ihrer entsprechenden Umgebung ausgestellt. Also ein Sofa mit einem Couchtisch und einer Vase drauf und oben drüber hing noch eine Kristalllampe.“

Dieses Verkaufskonzept war ungewöhnlich und die Bewohner des kleinen Ortes Älmhult verhielten sich skeptisch, erinnert sich Dag Severin: „Ingvar Kamprad investierte ja viel, er ließ ein großes Möbelhaus errichten. Die Bewohner von Älmhult merkten schnell, dass das neue Geschäft die Kunden wie ein Magnet anzog. Viele kamen mit dem eigenen Wagen, der Parkplatz war fast immer voll.“

Größenwahn
Auch die etablierte Möbelbranche verhielt sich argwöhnisch. Lasse Ohlsson ist Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger Ikea-Mitarbeiter. Er kann sich noch gut an die Vorbehalte erinnern, mit der sie dem neuen Konzept begegnete. „Zur Eröffnung kam ein Journalist der Branchenzeitung „Möbelvärlden“ (Möbelwelt). Er schrieb, dass ein Mann namens Ingvar Kamprad offenbar vom Größenwahn gepackt worden sei. Er habe ein enormes Gebäude errichtet, in dem er versuchen wollte Möbel an den Mann zu bringen.“

Damals, 1958, befand sich Schweden in einer starken Wachstumsphase. Das Land hatte den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden und Optimismus und Zukunftsglaube blühten. Die Voraussetzungen für das Projekt waren also gut, beschreibt Juni Vanberg von der Informationsabteilung diese Gründerzeit. „Wer nicht mit dem eigenen Wagen nach Älmhult fuhr, kam mit dem Zug. Kamprad lockte mit teilweiser Rückerstartung des Fahrkartenpreises. Montag, Dienstag und Mittwoch bezahlte Ikea die Hälfte der Fahrkarte, wenn man etwas kaufte. Donnerstag, Freitag und Samstag bekamen die Kunden 25 Prozent erstattet. Schon damals kamen die Kunden lieber am Wochenende und das Unternehmen versuchte den Kundenstrom zu lenken.“

Ikea-Motel
Für Käufer, die im eigenen PKW anrollten hatte die Firma eine andere innovative Lösung: „Das Ikea-Motel war das erste Motel in Schweden, das nicht an den vielbefahrenen Landstrassen lag sondern in einem kleinen Ort. Das Haus wurde 1963 eröffnet und hatte einen Swimmingpool! Die meisten Bewohner von Älmhult hatten vorher noch nie einen Swimmingpool gesehen.“

Anforderungen am Arbeitsplatz
In Älmhult entstanden neue Arbeitsplätze. Das Verkaufspersonal musste über sämtliche Warengruppen gut informiert sein. Denn anders als heute wurden Kunden, die mehrere Einrichtungsgegenstände erwerben wollten, von ein und derselben Verkäuferin beratend durchs Haus begleitet. Lasse Ohlsson: „Das war schon eine Herausforderung, dort zu arbeiten. Es war etwas Neues und Wachstum lag sozusagen in der Luft. Wenn das Konzept in Älmhult funktionierte, würde es bestimmt auch in anderen Städten gut laufen. Kamprad war selbst jeden Tag im Betrieb und schuftete. Gut bezahlt war unsere Arbeit zwar nicht, aber Spaß machte sie!”

1963 wurde das nächste Möbelhaus eröffnet, in Oslo. Erst 1965 kam eine Filiale in Schweden hinzu: in Stockholm. Die Möbel wurden in immer größeren Serien hergestellt, ein Trend dem die internationale Möbelbranche trotz anfänglicher Reservation gefolgt ist.

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