Streitkräfte

Verteidigungsminister auf Stippvisite im Norden - Verbände wollen auf internationale Tests setzen

Positive Botschaften überbringt man als Politiker gerne, bei negativen sind Besuche vor Ort eher selten. Am Mittwoch war Verteidigungsminister Sten Tolgfors in Luleå und Boden, um eine sehr gute Botschaft zu überbringen: Es werden keine militärischen Standorte stillgelegt. So waren denn auch nur strahlende Gesichter zu sehen beim Truppenbesuch des Ministers im äußersten Norden.

Am Morgen war Verteidigungsminister Sten Tolgfors eingeflogen, um den Luftwaffenstützpunkt F 21 zu besuchen, im Volksmund nur F 21 genannt. F21 sollte geschlossen werden, diese Meldung verunsicherte im April eine ganze Region. Mehr als 1.500 Arbeitsplätze standen auf der Kippe. Und nicht nur in Luleå, auch die Kompanie in Arvidsjaur war gefährdet. Kommunalräte und Provinzialregierung standen auf den Barrikaden.

Und heute? Friede, Freude, Eierkuchen sozusagen. Der Verteidungsminister sieht etwas gestresst, aber sehr zufrieden aus, als er der Presse verkündet:

“Es ist wirklich nett, dieser Tage hier zu sein. Nicht zuletzt, weil wir mitteilen können, dass Standortschließungen nicht länger akutell sind. Das hängt damit zusammen, dass wir die komplette Materialversorgung auf Einsparungen abgeklopft haben. Dadurch haben wir Geld für die Truppen über. 2,3 Milliarden Kronen können beim Material eingespart werden und 2,2 Milliarden gehen an die Truppe.”

Einsparungen von 230 Millionen Euro also für die Truppe. Die anwesenden Offiziere, Kommunalräte und der Provinzialchef sehen erfreut aus, in dieser Deutlichkeit zu hören, dass keine Kaserne in Norrbotten geschlossen wird. Bekannt war dies zwar bereits seit einigen Wochen. Doch am Tage des hohen Besuchs aus Stockholm zeigen sich natürlich alle hoch erfreut. Kommunalrat Karl Petersen erinnert sich mit Schrecken an das Damoklesschwert, als die Luftwaffe in Luelå zur Debatte stand:

“Wir müssen doch eine funktionierende Verteidigung in diesem Land haben! Es ist doch nicht vernünftig, dass der nördlichste Verband in Gävle stationiert ist. Nein, wir brauchen die Truppen in Luleå, Boden und Arvidsjaur.”

Mobilmachung würde ein ganzes Jahr dauern

Doch Schwedens Verteidigung hat dennoch Probleme, die gelöst werden müssen. Es kann niemand damit zufrieden sein, dass die Truppe nicht die schnellste ist. Alle 10.000 Mann zu mobilisieren würde ein Jahr dauern. Das muss geändert werden, hat sich der Verteidigungsminister vorgenommen.

“Wir haben ja gesehen, dass in Georgien plötzlich fünf Tage lang Krieg herrschen konnte. Einfach ausgedrückt: In diesen Zeiten reicht es nicht, viele Soldaten in Bereitschaft zu haben. Wir brauchen eine effektive Truppe, die sowohl im Ausland als im Land einsetzbar ist. Die bisherige Aufteilung in Innenverteidigung und Auslandeinsätze ist auch viel zu teuer und ineffektiv.”

Und der Norden Skandinaviens liegt nahe an bisher unerforschten Bodenschätzen: Erdöl, Erdgas in der Barentssee und der Arktis. Erste Stimmen werden schon laut, die einen Krieg um Bodenschätze vorhersagen. Dieses Argument hatten die Lokalpolitiker in der Debatte um die geplante Stilllegungimmer wieder vorgebracht. Die ist zunächst vom Tisch, und Provinzialregierung und Kommunen hegen nun schon weitergehende Pläne. Es den Autotestern nachzumachen, beispielsweise. Luleås Kommunalrat Karl Petersen:

“Jetzt, wo wir wissen, dass keine Verbände stillgelegt werden, haben wir gute Voraussetzungen, internationale Tests weiter zu entwickeln. Wir haben extrem große Gebiete, in denen man militärische Mänöver fahren kann. Wir haben arktisches Klima, Schnee und Kälte. Und wir haben die bestehenden Verbände von Luleå bis Arvidsjaur. Wir sind dafür gut aufgestellt.”

Zudem soll die Zusammenarbeit mit Finnland, Norwegen und Schweden ausgebaut werden, im nächsten Jahr ist bereits eine weitere große Militärübung eingeplant.

Sparzwang bleibt

Doch, ein Sparzwang wird trotz allem bestehen bleiben, und Jan Mörtberg, Chef von Norrbottens Regiment in Boden kündigt schon mal an, nach Einsparpotential zu forschen:

“Ja, das tun wir ja bereits. Wir gehen ja jetzt schon dazu über, Soldaten fest anzustellen, und um dies tun zu können, müssen wir vielleicht beim zivilen Personal reduzieren.”

Es wird also nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen bleiben, was die Luftwaffe und Bodentruppen im äußersten schwedischen Norden betrifft.

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