Junge Frauen haben in der Politik Seltenheitswert
JUNGE POLITIKER

Junge Politiker werfen das Handtuch

Auch in Schweden geht das Engagement junger Menschen für politische Parteien stetig zurück. Das betrifft nicht nur die Wähler. Auch das Interesse an politischen Aufträgen sinkt kontinuierlich. Umso motivierter sind dafür die wenigen jungen Menschen, die ein politisches Amt annehmen. Doch wie jüngste Untersuchungen zeigen, geben sie dieses Amt oft vorzeitig wieder ab. Woran liegt das? Haben sie selbst den Arbeitsaufwand unterschätzt – oder haben die Parteien im Werbeeifer Probleme verschwiegen?

So manchen älteren Politikern in Schweden wirft man vor, sie würden sich an ihren Ämtern festklammern – den Jungen kann man diesen Vorwurf wohl beim besten Willen nicht machen. Das gilt insbesondere für junge Frauen. Die Zahl derer, die ihr Amt aus freien Stücken vorzeitig abtreten, ist in dieser Gruppe doppelt so hoch wie bei den übrigen Bevölkerungsgruppen. Mehr als jede fünfte junge Frau, die vor zwei Jahren in eine Kommunalvertretung gewählt wurde, ist mittlerweile nicht mehr dabei.

Zu den „Abspringern“ gehört die 34-jährige Maria Knutsson. 2006 wurde die Sozialdemokratin in die Gemeindevertretung im südschwedischen Hultsfred gewählt. “Ich fand einfach, ich hatte nicht genug Zeit, alles unter einen Hut zu bringen“, so Maria Knutsson. „Die politische Arbeit kollidierte mit meiner Arbeit in der Gewerkschaft und natürlich mit dem Privatleben. Ich musste also Prioritäten setzen.“

Mehr als ein Drittel warf das Handtuch

Im Januar dieses Jahres warf Maria Knutsson das Handtuch. Den gleichen Beschluss fassten in der vergangenen Legislaturperiode, also zwischen 2002 und 2006, mehr als dreiβig Prozent aller Frauen zwischen 18 und 36 Jahren. Jetzt, nach nur der Hälfte der aktuellen Legislaturperiode, sind es jetzt schon mehr als zwanzig Prozent. Bei Männern liegt die entsprechende Zahl bei 17 Prozent.

In vielen Fällen hat der Absprung „unverfängliche“ Ursachen wie zum Beispiel Umzug, Krankheit oder ähnliches. Dass vor allem junge Frauen vorzeitig aufhören, hat aber laut Folke Johansson, Professor für Staatswissenschaft an der Universität Göteborg, auch andere Gründe. Vor allem, meint Johansson, liege es an der Art und Weise der Rekrutierung von Nachwuchs durch die Parteien.

Junge Politiker sind begehrt

“Junge Menschen sind grundsätzlich begehrt, so wie zum Beispiel auch Einwanderer grundsätzlich begehrt sind. Das liegt daran, dass es lange zu wenig Junge und Einwanderer in den Parteien gegeben hat. Die Kandidaten aus diesen Gruppen werden also häufig überredet, und bisweilen sagen sie dann ja, ohne richtig zu wissen, worauf sie sich einlassen“, sagt Folke Johansson. Erst später werde den Betroffenen dann klar, dass der Auftrag mehr Zeit erfordere und dass Politik oft dröger und langweiliger sei als zuvor erwartet.

Auch Maria Knutsson hatte sich einst zum Einstieg in die Politik überreden lassen. Ihre Politikerkollegen seien über ihren Abschied enttäuscht gewesen, sagt sie: „Sie wollen mich gern zurückhaben. Und sie hoffen, dass ich irgendwann einmal zurückkomme“, sagt sie. Doch vorerst hat sie nichts dergleichen vor – auch wenn Politik sie nach wie vor sehr interessiert. “Wenn die Arbeit ruhigerer wird, dann kann ich mir ein Comeback durchaus vorstellen“, so Maria Knutsson.

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