Schulen

Gravierende Unkenntnis über Leistungsstand der Schüler

Die schwedische Schule hat in jüngster Zeit mehrfach für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. So ergab eine internationale Studie kürzlich, dass schwedische Schüler im EU-Vergleich unter dem Mittelmaß liegen. Wie die Schulaufsichtsbehörde nun festgestellt hat, hat jede zweite Schule keinen Überblick darüber, welche Lernfortschritte ihre Schüler machen. Und je jünger die Schüler, desto verheerender die Unkenntnis der Verantwortlichen.

Seit Anfang der 90er Jahre liegt das Geschick der Schulen nur noch teilweise in der Hand des schwedischen Staates. Die Hauptaufgabe, für anständigen Unterricht zu sorgen, fällt den Kommunen zu. Reichstag und Regierung bestimmen selbstredend über das Schulgesetz und die Lehrpläne. Pläne zu deren Umsetzung aber werden auf kommunaler Ebene gemacht, und dazu schreibt die einzelne Schule gemeinsam mit der Kommune jährlich ein Gutachten – zur Qualitätssicherung des Unterrichts.

Unfähig zu Qualitätssteigerung

Doch wie lässt sich die Qualität des Unterrichts messen, wenn der Hälfte der Schulen noch nicht einmal bekannt ist, wo die Schüler leistungsmäßig stehen? Wie soll der Unterricht weiter entwickelt werden – und wohin? – wenn unklar ist, welche Schüler wo Probleme haben – und wie lange schon?

Ann-Marie Begler, Chefin der Schulaufsichtsbehörde, reagiert im Schwedischen Rundfunk alarmiert auf diese offenkundigen Mängel: „Man muss doch ein klares Bild davon haben, wie weit die Schüler etwa in der zweiten und dritten Klasse mit dem Lernstoff vorangekommen sind, um sagen zu können, wo nachgeholfen werden muss, welche Unterrichtsmethoden nicht sinnvoll sind, und ob es bestimmte Gruppen von Kindern gibt, die es besonders schwer haben.“

Vor einigen Jahren erhielt die Schulaufsichtsbehörde den Auftrag, innerhalb von sechs Jahren sämtliche Schulen daraufhin zu kontrollieren, wie sie die Lernfortschritte ihrer Schüler verfolgen. Zwar stehen noch immer 1.000 Schulen aus, das vorläufige Ergebnis der untersuchten 1.600 Schulen ist jedoch erschreckend genug, meint die Chefin der Schulaufsichtsbehörde, Begler. „Wenn Kenntnisse über den faktischen Wissensstand der Schüler fehlen, ist eine sinnvolle Verteilung von Ressourcen praktisch unmöglich. Der Unterricht kann kaum weiterentwickelt werden. Ganz zu schweigen von den Lehrkräften, die nicht wissen, in welche Richtung sie ihre Arbeit verbessern können.“

Auch Schüler werden in Unkenntnis gelassen

Doch mit diesen Mängeln nicht genug: Unklarheit herrscht auch auf Seiten der Schüler. So erfahren die Schüler in über der Hälfte der untersuchten Schulen nicht, welche Ziele sie in den unterschiedlichen Fächern überhaupt erreichen sollen. Weiter kritisiert die Schulaufsichtsbehörde, dass die Schüler zu wenig Einfluss nehmen können. Und um auf die Qualitätssicherung zurückzukommen: Auch darüber legen die Schulen viel zu wenig Rechenschaft ab.

Die zuständige Behörde soll nun versuchen herauszufinden, was die Ursache all dieser eklatanten Mängel ist. Eins jedoch steht schon jetzt fest, meint Behördenchefin Begler: Die Schulen müssen sich weitaus mehr anstrengen als bisher.

„Die Kinder bringen so unterschiedliche Voraussetzungen mit, wenn sie in die Schule kommen. Deshalb haben alle Schüler das Recht auf einen guten Unterricht und gute Lernmöglichkeiten. Wenn man aber nicht dokumentiert, wie die Schüler sich entwickeln, kann man kaum einen guten Unterricht garantieren.“

Liv Heidbüchel 

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