Populär bei jungen Mädchen: Zigarette (Foto: Claudio Bresciani/Scanpix)
GESUNDHEIT

Rauchen bei Schwedens Teenagern "in"

Die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln beeindrucken Jugendliche wohl grundsätzlich nur selten. In Schweden aber scheint Rauchen zumal unter weiblichen Teenagern als besonders cool zu gelten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern greifen in Schweden nämlich doppelt so viele junge Mädchen im Alter unter 14 Jahren erstmals zur Zigarette wie in anderen Ländern. Das zeigt eine Studie des Internationalen Krebsinstituts in Lyon.

„Die meisten fangen so mit 13, 14 an zu rauchen, also in der 7. Klasse”, erklärt ein 14-jähriges Schulmädchen, das seinen Namen lieber nicht genannt haben will. Und sie weiß auch das Rauchen schädlich ist: „Es ist schlecht für die Lungen und den Körper. Man hat eine schlechtere Kondition, und die Blutgefäße verstopfen. Ich hab schon Filme über Krebskranke gesehen, das war echt schrecklich.”

Der Hauptgrund für das Qualmen schon in jungen Jahren ist laut Studie Gruppendruck. Wer dem einmal erliegt, ist für Argumente wie die Sorge um die Gesundheit kaum empfänglich, erklärt Margareta Haglund, Expertin für Tabakpolitik bei der Gesundheitsbehörde.

„Jugendliche blicken kurzsichtig auf das meiste. Wenn man von Gesundheitsrisiken spricht, etwa dass man mit 50 krank wird, ist denen das egal. Ihnen ist wichtiger, was nächsten Freitag passiert.”

Gesundheitsrisiken steigen bei niedrigem Einstiegsalter

An der Studie auf Initiative des Internationalen Krebsinstituts in Lyon beteiligten sich 5.000 Frauen aus Irland, Tschechien, Frankreich, Italien und Schweden. Sie mussten Fragen zu ihrem Rauchverhalten beantworten, wann und warum sie überhaupt anfingen. Demnach beginnen junge Mädchen in Schweden früher zu rauchen als ihre Altersgenossinnen in anderen Ländern. Doppelt so viele 14-Jährige greifen hierzulande zum Glimmstengel wie in den Vergleichsländern. Ein verheerendes Ergebnis, meint Margareta Haglund von der Gesundheitsbehörde.

„Das größte Problem mit dem niedrigen Einstiegsalter ist, dass die Gesundheitsrisiken steigen, je früher man mit dem Rauchen anfängt. Ein Debüt unter 15 führt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, später an Lungenkrebs zu erkranken, ums Vierfache steigt im Vergleich zu denen, die etwa erst mit 25 Jahren mit dem Rauchen beginnen.”

Striktere Verkaufsregeln gefordert

Die Entwicklung unter Jugendlichen läuft markant dem Trend in der gesamten schwedischen Gesellschaft entgegen. Dort hat die Zahl der Raucher im Verlauf der vergangenen Jahre stetig abgenommen. Zu dieser Trendwende dürfte nicht zuletzt das Rauchverbot in schwedischen Kneipen und Restaurants beigetragen haben. Dieses Verbot trifft Jugendliche jedoch wenig.

Margareta Haglund vom Gesundheitsamt schweben deshalb andere Mittel und Wege vor, um die rauchenden Teenager von ihrem Laster abzubringen. „Um diese jungen Mädchen überhaupt zu erreichen, muss sich vor allem die Tabakindustrie bewegen, die nicht auf die heute übliche Art für sich Werbung machen darf. Alle sichtbaren Tabakartikel sollten aus den Auslagen verschwinden und nur noch unter dem Tresen verkauft werden - so wie Safran an Weihnachten.”

Liv Heidbüchel

(Radio Schweden 24. 11. 2008)

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