Gefährlicher Platz: Krankenhaus
GESUNDHEITSWESEN

Krankenhäuser: Überbelegung gefährdet Sicherheit der Patienten

Schwedens Gesundheitswesen sorgt erneut für Negativ-Schlagzeilen. Seit Jahren schon werden die langen Wartezeiten kritisiert, die viele Patienten in Kauf nehmen müssen, wenn sie Behandlung durch einen Spezialisten brauchen oder für eine Operation angemeldet sind. Jetzt zeigen jüngste Untersuchungen: Selbst für jene, die es bis ins Krankenhaus geschafft haben, sind damit nicht alle Hürden genommen. Mitarbeiter des Gesundheitswesens schlagen Alarm: Die Überbelegung in schwedischen Krankenhäusern gefährdet die Sicherheit der Patienten.

Cecilia Mattsson ist Fachärztin am Karolinska Krankenhaus im Stockholmer Vorort Huddinge. Sie gehört zu jenen Angestellten im Gesundheitswesen, die in jüngster Zeit mehrfach auf die teils lebensbedrohliche Situation in schwedischen Krankenhäusern aufmerksam gemacht haben. Ihr Arbeitsplatz, das renommierte „Karolinska“, macht in Sachen Platzmangel keine Ausnahme.

“Eine Patientin mit Alkoholproblemen wurde eingeliefert“, beschreibt Cecilia Mattsson einen Fall. „Die Patientin hatte Diabetes und schlug sich auβerdem mit den berühmt-berüchtigten resistenten Bakterien herum. Hinzu lag bei ihr der Verdacht auf Herzinfarkt vor. Wir fanden kein Zimmer für diese Patientin. Schlieβlich, nach langem Hin und Her, fanden wir für sie ein Bett auf der Rheuma-Station, was nun keineswegs optimal war.“

Ansprüche gesenkt

Doch was ist schon optimal? In dieser Hinsicht haben die Mitarbeiter die Ansprüche in letzter Zeit weiter senken müssen. So komme es nicht selten vor, berichtet Cecilia Mattsson, dass die Schwestern ein und denselben Patienten mehrmals in der Nacht wecken müssten, um ihm ein neues Zimmer zuzuweisen und somit einem Notfall Platz zu machen.
Cecilia Mattsson und mehrere ihrer Kollegen haben die Missstände mehrfach aufgezeigt. Sie haben an die Leitung des Krankenhauses geschrieben, an das Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen und an Philippa Reinfeldt, Ministerpräsidenten-Gattin und Stadträtin für Gesundheitsfragen.

“Gerade habe ich eine Antwort von der Gesundheitsabteilung bei der Provinzialregierung bekommen“, so Mattsson im Schwedischen Rundfunk. „Darin heiβt es, hinter uns allen liege momentan eine besonders schwere Situation, mit vielen Fällen von Darmgrippe, mit den Weihnachtsfeiertagen und vielen Angestellten im Urlaub. Es scheint so, als sei Weihnachten überraschend gekommen. Immerhin gab’s Weihnachten auch letztes Jahr“, meint sie sarkastisch.

Probleme landesweit

Nicht nur in groβen Krankenhäusern wie im Karolinska Krankenhaus sind die Probleme mit Überbelegungen in jüngster Vergangenheit beunruhigend gestiegen. So gab es im Krankenhaus im värmländischen Karlstad in den letzten Monaten mehrere Krisentreffen, um den hohen Druck auf die Notaufnahme zu bewältigen. Nicht immer mit Erfolg: So kam es vor, dass schwer kranke Patienten aus Platzmangel beispielsweise ins 60 Kilometer entfernte Arvika geschickt werden mussten. Auch in Sundsvall in Västernorrland gab es in letzter Zeit groβe Platz-Probleme. So wurden in Ermangelung von Ausweichmöglichkeiten kürzlich im Laufe eines einzigen Tages 26 Patienten aufgenommen, für die man im Grunde keinen Platz hatte. Und im mittelschwedischen Uppsala saβen Ärzte stundenlang am Telefon, um Plätze für Notfälle aufzutreiben.

Laut Johan Carlsson vom Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen sieht man in dem Amt die aktuelle Entwicklung mit groβer Sorge.

Aufstockung schwer möglich

“In den letzten Jahren ist ein deutliches Muster mit Mängeln zu erkennen“, so Carlsson. „An bestimmten Stellen und bei bestimmten Patienten stellt dies ein Risiko für die Sicherheit der Patienten dar.“ Doch die Probleme zu analysieren und zu benennen, sei vor allem Angelegenheit der Krankenhäuser selbst.

In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Zahl der Betten in Schwedens Krankenhäusern stetig reduziert worden – zum einen aus Kostengründen, zum anderen, weil man infolge medizinischer Fortschritte auf kürzere Behandlungszeiten hoffte. Eine Rechnung, die offenkundig, zumal auch angesichts einer gealterten und anfälliger gewordenen Bevölkerung, nicht aufgegangen ist. Doch so schnell, wie sie verschwunden sind, kann man keine Krankenhausplätze aus dem Hut zaubern. Cecilia Mattsson im Huddinge-Krankenhaus blickt skeptisch in die Zukunft: “Die Möglichkeiten sind da. Die Technik ist da, das Wissen auch. Aber wir können es den Patienten nicht zur Verfügung stellen, und das ist traurig“, so die Ärztin.

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