Er macht noch selbst sauber. Immer mehr nehmen Hilfe in Anspruch.
Arbeitsmarkt

Krisensichere Branche: Reinigungsunternehmen steigern Personalstärke

Nicht alles in Schweden ist durch die abflauende Konjunktur vom Niedergang betroffen. So befinden sich die so genannten haushaltsnahen Dienstleistungen in einem regelrechten Aufschwung. Wie der Schwedische Rundfunk berichtet, steigt die Zahl der Neuanstellungen kontinuierlich. Demnach könnte die Branche dieses Jahr um mehr als 60 Prozent wachsen.

Nach dem Motto: Dreck gibt es immer, läuft es für die Reinigungsunternehmen derzeit so gut wie lange nicht. Seit gut anderthalb Jahren lassen sich Putzhilfen, aber auch Babysitter und Gärtner, um nur einige zu nennen, zur Hälfte von der Steuer absetzen - jedenfalls alle Ausgaben, die unter umgerechnet 5.000 Euro liegen. Die Regierung verspricht sich von dieser Maßnahme einen Rückgang der Schwarzarbeit und damit ein probates Mittel gegen die Arbeitslosigkeit. Und in der Tat: Obwohl überall nur von Wirtschaftskrise und düsteren Prognosen die Rede ist, geht es für Unternehmen, die haushaltsnahe Dienstleistungen anbieten, aufwärts.

Rezession unbekannt
Annika Berg betreibt seit Kurzem ein Reinigungsunternehmen in Stockholm. Von Rezession ist bei ihr nichts zu spüren: „Ich hoffe, künftig noch ein paar Personen anstellen zu können. Gerade habe ich erfahren, dass es mit meinem fünften Angestellten klappt. Es kommt natürlich auf den Kundenzustrom an, und da sieht es momentan sehr gut aus.”
5,5 Prozent der schwedischen Haushalte - das sind 225.000 - nehmen derzeit haushaltsnahe Dienste in Anspruch. Einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Demoskop zufolge ist sogar jeder vierte schwedische Haushalt im Prinzip an entsprechenden Dienstleistungen interessiert. Vor einem Jahr traf dies erst auf jeden fünften Haushalt zu. Bei der Arbeitgeberorganisation Almega freut man sich über die Entwicklung.
„Viele haben sich inzwischen an diese Art von Dienstleistung gewöhnt und sehen einen großen Nutzen darin”, erklärt der wirtschaftspolitische Chef bei Almega, Ulf Lindberg. „Von diesem Dienst möchte man sich selbst in Krisenzeiten ungern trennen.”
Laut Untersuchung verzichten die Schweden lieber auf Reisen, Restaurantbesuche oder andere Vergnügungen, statt beispielsweise auf die Haushaltshilfe. Umgerechnet auf Vollzeitstellen beschäftigt die Branche derzeit 6.000 Personen. Bei der Arbeitgeberorganisation Almega geht man davon aus, dass es bis Jahresende 10.000 Vollzeitstellen sein werden. Familien sind die mit Abstand größten Abnehmer. Die zweigrößte Gruppe stellen die über 65-Jährigen.

Steuererleichterung
Erst kürzlich führte die bürgerliche Regierung Steuererleichterungen für Reparaturen sowie Aus- und Umbauten wieder ein. Ulf Lindberg bei Almega hält es für sinnvoll, noch mehr Dienste steuerlich zu begünstigen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel der Angestellten in dieser Branche aus der Arbeitslosigkeit geholt wurden. Steuererleichterungen wirken sich also deutlich auf den Beschäftigungsgrad aus. Man sollte erwägen, auch IT-Dienste mit einzubeziehen, die von den Haushalten nachgefragt werden. Viele würden das zu schätzen wissen.”
Zum Halbjahreswechsel kommt eine weitere Entlastung auf die Bürger zu: Dann gilt die Steuererleichterung direkt beim Erwerb der Dienstleistung und nicht erst beim Steuerjahresausgleich. Unternehmerin Annika Berg sieht dem 1. Juli mit Vorfreude entgegen. Ihre Pläne, weiter zu expandieren, könnten in Erfüllung gehen. „Dass die Leute ihre Ausgaben nicht mehr so lange vorschießen müssen, wird viele zum Kauf haushaltsnaher Dienstleistungen anregen. Schon jetzt ist das oft Thema bei Anfragen von potenziellen Kunden.”

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