Holocaust-Gedenktag

Gerettet von Bernadottes „Weißen Bussen”: Marta Eggens hält die Erinnerung am Leben

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Sechs Jahrzehnte später erklärten die Vereinten Nationen den Tag zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust. Der systematischen Vernichtung durch Nazideutschland fielen neben Juden auch Kommunisten, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und andere Oppositionelle und Andersdenkende zum Opfer. Auch Schweden ehrt an diesem Tag die Menschen, die unbeschreibliches Leid durchlitten.

Magda Eggens gehört zu den Überlebenden, die das Schicksal nach Schweden verschlagen hat. Sie kam mit den so genannten „Weißen Bussen” des schwedischen Roten Kreuzes unter dem Schutz des Diplomaten Folke Bernadotte. Die heute 84-Jährige hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, von ihrem und damit dem Schicksal aller Opfer zu erzählen. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und hält Vorträge.

”Das bin ich, das ist meine Schwester. Hier ist das letzte Foto, das von mir zu Hause gemacht wurde”, erzählt die alte Dame. 17 Jahre war Magda Eggens, als aus ihr eine anonyme Nummer wurde. Sie beschreibt den Weg ihrer Deportation.

Der einzige Wunsch: Überleben

Magda Eggens erinnert sich an ihre Kindheit in Ungarn, die Deportation nach Deutschland. Ihre Familie wurde auseinander gerissen. Nie vergessen wird sie den letzen Blickwechsel mit ihrer damals schwangeren Mutter, auch nicht die Qualen, die ihre jüngste Schwester erlitt. Mit 20 Jahren, 28 Kilo leicht, hatte Magda nur noch einen Gedanken: Gemeinsam mit ihrer Schwester Eva - der einzigen, die aus ihrer Familie noch geblieben war - zu überleben. Die beiden befanden sich damals bei Kriegsende im Konzentrationslager Neuengamme in Norddeutschland.

„Dorthin kam also Folke Bernadotte. Sein Auftrag war eigentlich, die norwegischen und dänischen Insassen nach Hause zu holen. Aber als er uns andere abgemagerte Knochengerüste sah, Jugendliche, die zum Teil nur noch Stunden vom Tod trennte, da verhandelte er mit Himmler, dass er uns auch mitnehmen durfte. Es war also reines Glück - oder vielleicht gab es jemanden da oben, der sich dachte, diese hier müssen überleben, um später Zeugnis ablegen zu können.”

Erinnern und mahnen

Zu erzählen, was sie erlebt und was sie gesehen hat, das ist seither Magda Eggens Aufgabe. Unzählige Male hat sie Schulen besucht, denn die Jugend ist ihre vorrangige Zielgruppe.

„Ich erzähle alles, auch wenn es oft unglaublich schmerzhaft ist. Aber ich möchte, dass die Jugendlichen bis ins Innerste spüren, wie furchtbar es gewesen ist. Denn es gibt ja Stimmen, die das Geschehne abstreiten, die die Wahrheit mit Lügen verdrehen.”

Magda Eggens zitiert ihren Landsmann, den ungarischen Nobelpreisträger Imre Kertesz, der gesagt hat, Schweigen bedeute, die Opfer im Stich zu lassen. Genau wie er sagt auch Magda Eggens, dass sie keinen Hass verspürt.

„Hass ist vor allem destruktiv. Er würde mich selbst kaputt machen. Außerdem ist die neue Generation ja nicht Schuld an dem, was passiert ist. Und die Alten müssen mit ihrem schlechten Gewissen leben, das sie ganz sicher jetzt im Alter plagt.”

Jugendliche reagieren mit Scham und Mitleid

Oft, erzählt Magda Eggens, weinen die Schüler, wenn sie von ihrer Zeit im Konzentrationslager erzählt. Tränen des Mitleids. Es kommt aber auch vor, dass die Tränen anderen Grund haben. Einmal habe sie ein 13-jähriges Mädchen getroffen, das sich schämte. Sie fühlte sich schuldig für ihren Großvater, der ein alter Nazi war, erzählt Magda Eggens.

„Nachher auf dem Nachhauseweg dachte ich: Das Schicksal ist schon merkwürdig. Hier sitze ich Opfer und tröste die Enkelin eines Täters.”

800 Kindern und Jugendlichen hat Magda Eggens im Laufe der Jahre von ihrem Schicksal erzählt. Vielen von ihnen ist sie in bleibender Erinnerung geblieben.

„Ich beende meine Vorträge meist so: Es gibt nur eine Rasse - die Menschheit, es gibt nur eine Religion - die Liebe. Wir haben nur eine Welt - oder gar keine.”

Luise Steinberger/Olgica Lindkvist

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