Polikliniken führen unzureichend HIV-Tests durch
Gesundheit

HIV-Tests: Polikliniken missachten Grundsatz der Anonymität

Trotz der Zunahme an HIV-Infektionen in den vergangenen Jahren ist die Durchführung von HIV-Tests in den medizinischen Behandlungszentren in Schweden unzureichend. Das zeigt eine Umfrage des Schwedischen Rundfunk. Nach einer Verordnung aus dem Jahr 1989 sollen die Tests anonym und kostenlos durchgeführt werden. Doch offenkundig hält sich nur jedes siebte medizinische Behandlungszentrum an diese Richtlinie.

Bei der Telefonumfrage wurden insgesamt 74 medizinische Behandlungszentren kontaktiert. Nur zwölf Zentren gaben an, dass sie routinemäßig anonyme HIV-Tests durchführen.

Der Leiter der Abteilung Seuchenschutz beim Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen, Anders Tegnell, sagte dazu im Schwedischen Rundfunk: “Die Polikliniken und die Provinziallandtage müssen endlich ein System schaffen, das funktioniert. Das Seuchenschutzgesetz und das neue Patientendatenschutzgesetz ermöglichen einen anonymen Arztbesuch in den Behandlungszentren. Es gibt Methoden, um die Anonymität zu gewährleisten. Es besteht die Pflicht, sich um die Patienten zu kümmern.„

Das schwedische Seuchenschutzgesetz klassifiziert HIV/Aids als eine gefährliche Krankheit, die die Allgemeinheit bedroht. Deshalb ist es natürlich von allgemeinem Interesse, dass Neuinfektionen schnellstmöglich entdeckt werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Bei Verdacht auf eine HIV-Infektion sollte man schnellstmöglich eine Poliklinik aufsuchen.

Damit möglichst viele Betroffene einen Test machen, soll laut Verordnung der HIV-Test kostenlos sein. Aber auch hier gab nur jedes dritte Behandlungszentrum an, dass für den Test keine Kosten entstünden.

Auch die Bereitschaft der medizinischen Behandlungszentren, die Tests durchzuführen, ist laut Umfrage gering. So wurde zunächst versucht, den Anrufer an die Infektionskliniken weiterzuleiten

Anders Tegnell vom Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen erklärt dazu: „Zu Beginn wurden die Tests zentral in Infektionskliniken der einzelnen Provinziallandtage durchgeführt. In jüngster Zeit ist man dazu übergegangen, die Tests dezentral in den einzelnen medizinischen Behandlungszentren durchzuführen. Offenbar gibt es dort aber noch viel zu tun, damit man diesem Anspruch gerecht werden kann.“

Die in Stockholm ansässige Nichtregierungsorganisation Arche Noah kämpft seit 1986 gegen die Ausbreitung von HIV/Aids durch Präventionsarbeit, sowie die Betreuung Aidskranker und deren Familienangehörigen. Konfrontiert mit den Ergebnissen der Telefonumfrage zeigte sich der Geschäftsführer von Arche Noah, Jukka Aminoff, im Schwedischen Rundfunk schockiert: „Ich bin wütend, denn es handelt sich hierbei um kein neues Problem. Die Situation wird immer schlimmer.“

Aminoff kritisiert die starke Mystifizierung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Es wäre besser, HIV/Aids als eine Infektionskrankheit unter vielen zu behandeln, um besser und effektiver damit umgehen zu können, sagte er.

„Das Hauptproblem ist, dass man die Tests nicht ernst nimmt und dass man nicht begreift, wie wichtig eine schnelle Diagnose und Behandlung sind. Die Tests sind eine wichtige Komponente, um gegen die Epidemie kämpfen zu können- nicht nur Kondome und andere präventive Maßnahmen.“

Tobias Hofsäss

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