Straße glatt, Knochen alt - bei Sturz teuer fürs Gesundheitssystem
Straßenverkehr

Ältere Radfahrer Belastung für Gesundheitssystem

Nach den 90jährigen Autofahrern, die eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen, geraten nun auch die in die Jahre gekommenen Radfahrer ins Visier der Kritiker. Einer Studie der Universität Umeå zufolge belasten verletzte Radfahrer über 65 das Gesundheitssystem dreimal so stark wie andere. Weiter ist jeder zweite Radfahrer, der im Straßenverkehr ums Leben kommt, im Rentenalter. Am sichersten und günstigsten wäre es also, schickte man die alten Radler auf ihren Hometrainer, scheint es.

Radfahrer gelten gemeinhin als die größten Chaoten im Straßenverkehr - darin sind sich zumindest Fußgänger und Autofahrer einig. Besonders auf ihre Mühlen dürften die an der Universität Umeå zusammengetragenen Zahlen Wasser sein. Der alte Radfahrer sollte demnach besser auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Denn selbst wenn der Radfahrer über 65 nach eigenem Empfinden noch rüstig ist, so fährt er dennoch häufiger zu nah am Kantstein und stürzt oder benimmt sich auch sonst ungeschickter als die jüngeren, weiß Ulf Björnstig, Professor der Chirurgie an der Uni Umeå.

„Das Hauptproblem besteht darin, dass sich die meisten älteren Radfahrer beim Auf- oder Absteigen verletzen. Die Folgen sind oft Oberschenkelhalsbrüche und ähnliches. Diese Verletzungen verlangen eine lange Behandlung. Alle aktiven Ärzte kennen diese gesunden Älteren, die darauf beharren, bis ins hohe Alter auf den Drahtesel zu klettern. Die Verletzungen sind dann leider oftmals schwer.”

Helmpflicht nur von begrenzter Reichweite

Schon frühere Studien haben ergeben, dass die Radfahrer von sämtlichen Verkehrsteilnehmern das Gesundheitssystem am meisten kosten. Doch diese Fakten haben bislang viel zu wenig Gehör gefunden, meint Professor Björnstig. Während Verkehrsverletzte durchschnittlich drei Tage behandelt werden müssen, braucht der verletzte ältere Radfahrer neun Tage unter ärztlicher Aufsicht.

Die Statistik zeigt auch, dass viele Todesfälle und Verletzungen vermieden werden könnten, würden die Radfahrer einen Helm tragen. Vor gut drei Jahren wurde in Schweden ein Gesetz verabschiedet, das allen Radfahrern unter 15 vorschreibt, einen Helm aufzusetzen. Experten gehen inzwischen davon aus, dass dieses Gesetz das falsche Signal an alle über 15 gibt - nämlich, dass sie grundsätzlich nicht zur Gruppe der Gefährdeten gehören.

Dabei trägt laut Staatlichem Institut für Straßen- und Transportforschung jeder dritte Radfahrer in Stockholm einen Helm, in Göteborg sogar jeder zweite. Nur in Malmö ist die Bilanz deutlich schlechter: Dort setzt kaum jeder zehnte einen Helm beim Radfahren auf. Inwieweit gerade die ohnehin gefährdeten älteren Radler auf den Schutz eines Fahrradhelms verzichten, ist allerdings unklar.

Alternative: Umsatteln auf Damenrad

Den Alten das Radfahren ganz verbieten will aber selbst Chirurgie-Professor Björnstig nicht: „Zum Teil muss man sich schon fragen, ob ab einem gewissen Alter der Nutzen die Risiken aufwiegt. Dann arbeitet die Forschung an einer besonderen Radkonstruktion für Ältere. Ich selbst fahre inzwischen mit einem Damenrad. Da fällt das Auf- und Absteigen leichter, und die häufigste Unfallursache ist damit ausgeschlossen.”

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